Seit jeher beobachten wir Menschen die Sterne am Himmel. Viele Mythen und Geschichten ranken sich darum. Der Astronom Florian Freistetter erklärt als Podcaster und Autor Zusammenhänge über Sterne und Galaxien und räumt mit den Mythen dazu auf – und uns verrät er unter anderem, was wir über die Zahl der Sterne wissen, und was nicht.

"Weißt du wie viel Sternlein stehen?" heißt es in dieser alten Volksweise. Dass das Lied auf diese große Frage keine Antwort gibt, verwundert nicht weiter – denn: Wir kennen die Antwort nicht! Wenn der Astronom Florian Freistetter die Frage gestellt bekommt, wie viele Sterne es im Universum gibt, sagt er: "Es kommt darauf an, welche Antwort man hören will."

"Wenn man wissen will, wie viel Sterne es im Universum gibt, dann kann man die Antwort recht leicht geben: Das sind wahnsinnig viele, und keiner weiß, wie viele es genau sind."
Florian Freistetter, Astronom und Podcaster

Denn, so Florian Freistetter, allein in der Milchstraße gibt es ein paar hundert Milliarden Sterne, im gesamten Weltall ein paar hundert Billionen Galaxien, und die wiederum enthalten alle ein paar hundert Milliarden Sterne, sagt. Irre viele Himmelskörper also.

Florian Freistetter ist nicht nur Astronom, er bloggt und podcastet auch über Sterne und Galaxien. Gerade hat er sein Buch "Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen" veröffentlicht, in dem er pro Kapitel jeweils einen besonderen Stern vorstellt. Im Grünstreifen-Interview verrät er einige spannende Fakten daraus und nähert sich der Frage nach der Zahl der Sterne zumindest etwas an.

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Fragen wir nämlich nur nach den Sternen, die wir mit bloßem Auge erkennen können, sind es 9095 Himmelskörper, erklärt der Astronom. Das hat die US-amerikanische Astronomin Dorrit Hoffleit herausgefunden, die die sichtbaren Sterne katalogisiert hat.

Jeder kann Sterne benennen, für die Wissenschaft ist das aber irrelevant

In seinem Buch schreibt er auch über den Stern "Freistetter" – der allerdings nicht nach ihm benannt ist. Denn im Internet gibt es zwar Firmen, die Sternen-Taufurkunden verkaufen. Da die Astronomie aber eigene Regeln und eine eigene Nomenklatur hat, interessiert sie sich gar nicht für solche willkürlichen Bezeichnungen, erklärt Florian Freistetter. Er sagt, dass die Benennung von Sternen ein Produkt ist, das eigentlich gar nicht verkauft werden kann, weil der Himmel und die Sterne per se allen oder niemandem gehört.

"Man kann Sterne nicht so einfach taufen, obwohl das im Internet gerne angeboten wird. Das, was einem im Internet verkauft wird, das ist komplett irrelevant."
Florian Freistetter, Astronom und Podcaster

Aber Menschen haben schon immer Sterne benannt. Die Himmelskörper, die vor langer Zeit getauft wurden, wie Orion und Sirius, haben oft klangvolle Namen. Die wurden dann von der Wissenschaft übernommen. Die neueren Bezeichnungen – beispielsweise PSR B1919+21 – sind meist eher technisch. Das mag zwar nicht so schön klingen, aber solche Katalogbezeichnungen sind sinnvoll, so der Astronom, weil es wirklich viele viele Sterne gibt und man in der wissenschaftlichen Forschung irgendwie die Übersicht behalten muss. Mittlerweile seien Milliarden von Sternen in Katalogen sortiert, da könne man gar keine Namen vergeben, weil man sonst schlicht nicht zum Ende käme damit, sich Namen auszudenken.

"Diese Sterne haben relativ unschöne Bezeichnungen, die aber dann sinnvoll sind, wenn sie in Katalogen angeordnet sind, damit man in der wissenschaftlichen Forschung den Überblick nicht verliert."
Florian Freistätter, Astronom und Podcaster

Im Interview räumt Florian Freistätter dann auch noch mit der gängigen Behauptung auf, dass Sterne, deren Licht wir auf der Erde sehen können, eigentlich schon längst tot sind. Das Licht der Sterne bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Sekunde, erklärt er. Himmelskörper, die wir mit bloßem Auge sehen können, seien so nah, dass das Licht nicht Jahrtausende gebraucht hat, bis es uns erreicht.

Für Himmelskörper, die wir nur mit Teleskop beobachten können, sei das anders. Die könnten sich so weit entfernt befinden, dass das Licht, das wir sehen, schon so lange unterwegs ist, dass der Stern selbst möglicherweise schon gar nicht mehr existiert.