Wohin mit dem Atommüll? Die gängigste Variante lautet: Ab damit unter die Erde - und zwar 800 Meter tief. Das US-Energieministerium sagt, das geht noch tiefer. Sehr viel tiefer. Deswegen sollen Forscher in North Dakota nun herausfinden, ob 3000 bis 5000 Meter tiefe Bohrlöcher, in denen der radioaktive Abfall versenkt wird, eine Alternative sein können.

Es mangelt nicht an Ideen, wie wir unseren Atommüll loswerden können: ins Meer kippen, in den Schlund aktiver Vulkane werfen oder in einer Rakete ab ins Weltall. Weil das alles ziemlich unrealistisch ist, ist die verbreitetste Idee weltweit: den Atommüll vergraben. Im potenziellen Atommüll-Endlager Gorleben etwa würden die radioaktiven Überreste in rund 800 Metern Tiefe lagern.

Tief, tiefer, 5000 Meter tief

Um vor allem den aufwändigen, unflexiblen und teuren Endlager-Ausbau zu vermeiden, planen die Forscher, Löcher mit einem Umfang von 50 Zentimetern zu bohren und den Müll in 5000 Metern Tiefe zu versenken. Der Atommüll würde dann in kleine Behälter verpackt und anschließend zwei Kilometer hoch übereinander in das Loch gestapelt werden.

Doch das Verbuddeln in 5000 Metern Tiefe birgt auch Gefahren: Im Erdinneren herrschen nicht nur Temperaturen von rund 150 Grad Celsius, auch der Druck des zudem sehr salzhaltigen Wassers ist hoch - eine aggressive Mischung, der der Müll standhalten muss.
Die Gefahr: Atommüll vermischt sich mit Grundwasser

"Wenn sich radioaktiven Stoffe in Wasser lösen, dann können sie an die Oberfläche gelangen. Das dauert zwar lange, aber beim Endlager reden wir ja über hunderttausende Jahre, die es sicher sein muss."
DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski

Forscher unterschiedlicher Institute und Universitäten deswegen, wie der Atommüll den schwierigen Bedingungen im Erdinneren standhalten könnte. Die Frage ist dabei auch, wie das Bohrloch am besten abgedichtet werden kann. Vermieden werden soll auf jeden Fall, dass sich radioaktive Stoffe mit dem Grundwasser vermischen und so an die Oberfläche gelangen.

Die Forscher arbeiten an speziellen wasserdichten Behältern, in den sie den Atommüll sicher verpacken könnten. Auch gibt es die Idee, die Hitze des hochradioaktiven Abfalls zu nutzen, um das umgebene Gestein zu schmelzen und so eine Art natürlichen wasserdichten Container zu schaffen. Die Schmelze könnte dann wie ein Kleber wirken, der den Atommüll umschließt, aushärtet und so vollständig abdichtet.

Mehr Sicherheit durch die Bohrlöcher

Die Forscher versprechen sich einige Vorteile von einer zukünftigen Atommülllagerung in 5000 Metern Tiefe: Im Optimalfall würde die Barriere zur Erdoberfläche vergrößert und damit die Sicherheit für Menschen erhöht werden. Auch die Flexibilität des Endlagerstandortes wäre größer, weil bei mehr Müll lediglich ein neues Loch gebohrt werden müsste. Durch die Erdöl- und Erdgas-Förderung hat man mittlerweile viel Erfahrung, um mit Riesenbohrern tief in die Erde vorzudringen.

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