Von der Partei zur Bewegung: Sahra Wagenknecht versucht es mit Aufstehen. Wir haben uns das Personal und die Grundthemen angesehen.

Sahra Wagenknecht hat die linke Sammlungsbewegung Aufstehen gegründet. Sie ist selbst Fraktionschefin der Partei Die Linke im Bundestag. Unterstützt wird sie unter anderem von ihrem Ehemann Oskar Lafontaine. Er trat 2005 aus der SPD aus und gründete ihre Partei. Aufstehen hat weitere prominente Unterstützer bei der SPD und den Grünen.

Wir haben mit unserem Berlin-Korrespondenten Falk Steiner über die neue Bewegung und die Personen dahinter gesprochen. Für ihn sieht Aufstehen ein bisschen aus wie andere Kampagnenplattformen auch.

"Es erinnert mich an Kampagnenplattform – so ein bisschen in Richtung campact oder change.org."
Falk Steiner, Journalist im Hauptstadtstudio

Auf die folgenden Initiatorinnen und Initiatoren von Aufstehen geht Falk Steiner genauer ein:

  • Ludger Volmer ist Ex-Chef der Grünen und wurde stets zum linken Flügel der Partei gezählt, für die er mit Unterbrechungen von 1985 bis 2005 im Bundestag saß. Von 1991 bis 1994 war er Bundesvorsitzender der Grünen. In der rot-grünen Bundesregierung wurde er 1998 Staatsminister im Auswärtigen Amt. Heute wirft er den Grünen vor, sich von ihren pazifistischen und sozialpolitischen Grundsätzen verabschiedet zu haben.
  • Bernd Stegemann ist keiner politischen Partei zuzuordnen. Der 51-jährige Dramaturg und Autor ist Vorsitzender des Trägervereins für die Aufstehen-Initiative. Gemeinsam mit Sahra Wagenknecht hat er sich in einem Gastbeitrag von "grenzenloser Willkommenskultur" abgegrenzt. Im Jahr 2017 veröffentlichte er den Essay "Das Gespenst des Populismus."
  • Simone Lange (SPD) ist seit Januar 2017 Oberbürgermeisterin von Flensburg. Sie gehört zum linken Flügel der Partei und ist im April 2018 bei der Wahl der neuen SPD-Vorsitzenden gegen Andrea Nahles angetreten. Mit 28 Prozent der Stimmen erzielte die gebürtige Thüringerin einen Achtungserfolg.

Falk Steiner sagt, man müsse abwarten, wie die Bewegung sich organisiert und welche Themen sie dann setzen wird. Angesichts vieler prominenter Persönlichkeiten vermutet er, werde sich die Meinungsbildung innerhalb von Aufstehen kompliziert gestalten.

"Schlecht ist die Idee nicht, dass man mehr zuhören möchte. Ob das in der Bewegung mit so einer starken Persönlichkeit wie Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine an der Spitze funktioniert, kann ich mir schwer vorstellen."
Falk Steiner, Journalist im Hauptstadtstudio

Weitere bekannte Unterstützer von Aufstehen sind Marco Bülow (SPD), Rudolf Dreßler (SPD) und Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen). Am 4. September 2018 hatte der Verein Aufstehen knapp 110.000 Mitglieder. Falk Steiner weist darauf hin, dass gerade das Spitzenpersonal von Aufstehen, in den eigenen Parteien eher Minderheiten repräsentiere. Ihr wichtigstes gemeinsames Thema: Gerechtigkeit bei der Verteilung staatlicher Mittel.

"Sie vertreten in den eigenen Parteien nicht die Mehrheitsmeinung. Das sind die Frustrierten in den eigenen Parteien. Es geht denen ganz stark um soziale Fragen, um Verteilungsgerechtigkeit."
Falk Steiner, Journalist im Hauptstadtstudio

Unser Bild zeigt von links: Simone Lange, Bürgermeisterin von Flensburg (SPD), Bernd Stegemann, Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Ludger Volmer (B90/Die Grünen) auf dem Weg zur Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

Mehr zu politischen Sammlungsbewegungen und Sahra Wagenknecht bei Deutschlandfunk Nova: