Wenn es ein Thema gab, das dieses Jahr bestimmt hat, dann ist es das Thema Flüchtlinge. 2015 gab es so viele Anschläge auf Unterkünfte von Asylsuchenden wie noch nie: mehr als 1600 in ganz Deutschland. Das sind fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Seit 2012 steigen die Zahlen kontinuierlich. Trotzdem spricht kaum einer von "rechtem Terror". Warum?

"Wir sind bei mittlerweile knapp 100 Brandanschlägen allein auf Flüchtlingsunterkünfte 2015. Das ist für mich eindeutig Terror."
Olaf Sundermeyer, Journalist

Wenn man das Spektrum noch weiter fasst, dann gab es dieses Jahr sogar schon mehr als 3600 Straftaten rund um Ausländer-und Fremdenhass. Trotz dieser Zahlen gibt es keine großen und breiten Diskussionen über rechten Terror. Höchstens Berichte über die NSU und Beate Zschäpe. Manche Bürgermeister oder Polizeigewerkschafts-Chefs bleiben die Ausnahme. Sie gebrauchen den Begriff des "rechten Terrors".

Es gibt keine einheitliche Definition von Terror

Der Journalist Olaf Sundermeyer hat die Geschichte des rechten Terrors in Deutschland seit 1980 recherchiert und ein Buch darüber geschrieben. Das Nahziel derjenigen, die Anschläge verüben, sei meistens dasselbe: keine Flüchtlinge in der eigenen Nachbarschaft.

"Diejenigen, die Anschläge verüben, wollen Angst und Schrecken verbreiten zur Erreichung politischer Ziele."
Olaf Sundermeyer

Die Menschen, die hinter den Anschlägen stehen, möchten das Klima in Deutschland aufheizen und die Bevölkerung aufwiegeln gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, sagt Sundermeyer.

"Vor allem aber möchten sie die Stimmung so beeinflussen, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund bei uns nicht mehr wohlfühlen. Und das ist Terror."
Olaf Sundermeyer