Ins Ausland reisen während der Corona-Pandemie: Die einen machen es, die anderen lieber nicht. Wenn eine Reise aber geplant ist, um dort für ein Auslandssemester zu bleiben, ist die Entscheidung besonders schwer. Denn viele Studierende haben dieser Erfahrung monatelang entgegen gefiebert.

Es ist Anfang September. An vielen Universitäten in Europa und auf der ganzen Welt startet das Wintersemester. Natürlich auch für all jene, die ein Auslandssemester machen – oder machen wollten. Denn die Corona-Pandemie hat die Pläne vieler Studierender ordentlich durcheinander gebracht.

Bereits im April hat knapp ein Drittel der Hochschulen bestimmte Auslands- und Austauschprogramme eingestellt. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, kurz DAAD.

Ein halbes Jahr später

Seitdem ist viel passiert: Ein halbes Jahr später wurden die Corona-Regeln in vielen Ländern wieder gelockert, Reisebeschränkungen wurden teilweise aufgehoben. Das mache sich auch bei der Planung von Auslandssemestern bemerkbar, sagt Agnes Schulze-von Laszewski vom DAAD. Sie ist überrascht, wie stark die Nachfrage wieder gestiegen ist. Die Studierenden wollen wieder ins Ausland, sagt sie, es gebe jedoch viele Schwierigkeiten bei der Organisation.

"Wir sind überrascht, wie stark die Nachfrage von Studierenden ins Ausland zu gehen tatsächlich noch ist."
Agnes Schulze-von Laszewski, Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Keine Einreise möglich

Es gibt noch immer Universitäten im Ausland, die weiterhin geschlossen sind, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge. An anderen Universitäten dürften nur Studierende aus dem eigenen Land zum Unterricht erscheinen. Nur so könnten sie die Abstandsregelungen in den Räumen einhalten.

Es könne aber auch vorkommen, dass Studierende aus Deutschland momentan nicht ins Land gelassen werden. So erging es Nathalie Kubicki. Ihr Auslandssemester endete bevor es überhaupt losging: Sie studiert an der RWTH Aachen und hatte ein Semester in Kyoto in Japan geplant. Eine Woche vor ihrem Abflug im März wurde ihr Visum von der japanischen Regierung für ungültig erklärt.

"Kurz vor meinem Flug wurde mein Visum von der japanischen Regierung für ungültig erklärt."
Nathalie Kubicki, Studentin

Die große Frage: Absagen oder Umplanen?

Wer das Auslandssemester verschieben will, muss einiges beachten: An manchen Universitäten wird der zugesagte Studienplatz frei gehalten, erklärt Ilka Knigge. An anderen Unis müssen sich Studierende nochmal neu bewerben. Für alle, die keine Zeit verlieren wollen, gibt es noch eine andere Möglichkeit: Sie können die Vorlesungen von Deutschland aus online besuchen.

Falls es die Corona-Lage dann zulässt, sollten Studierende aber ins Ausland ziehen, rät der DAAD. Ansonsten würde nicht das volle Stipendium ausgezahlt werden. Außerdem falle sonst das wichtigste Weg: die Auslandserfahrung.

Nathalie will ihr Auslandssemester auf jeden Fall nachholen. Bislang durfte sie noch nicht wieder einreisen, aber sie setzt auf das Sommersemester 2021. Dann soll es endlich ab nach Japan für sie gehen.

"Unternehmen legen weiterhin großen Wert darauf, dass man diese Auslandserfahrung macht."
Agnes Schulze-von Laszewski, Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)