Welches Gericht? Welcher Drink? Welches Smartphone-Modell? Ständig müssen wir uns entscheiden – und oft gibt es viel zu viele Optionen. Overchoice-Effekt heißt dieses Phänomen, wenn unser Gehirn von Wahlmöglichkeiten überfordert ist. Mit einfachen Tricks können wir aber trotzdem gute Entscheidungen treffen.

Erinnert ihr Euch? Ihr sitzt im Café, wollt schnell eine Kleinigkeit essen und trinken, und dann ist auf der Karte diese Riesenauswahl! Eigentlich toll – so sollte es doch viel einfacher sein, genau das zu finden, worauf ihr am meisten Lust habt. Aber Fehlanzeige! Die Kellnerin kommt schon zum dritten Mal, um eure Bestellung aufzunehmen, aber ihr seid noch keinen Schritt weiter...

Das Gehirn kann nur eine begrenzte Anzahl von Optionen managen

Schuld daran ist die Funktionsweise unseres Gehirns: Das ist gar nicht in der Lage, viele unterschiedliche Details und Optionen gegeneinander abzuwägen, erklärt der Neurowissenschaftler Henning Beck. Erst mal entscheidet das Gehirn, welches primäres Ziel es hat:

  • Belohnung erreichen
  • Bestrafung vermeiden

So weit, so einfach. Aber danach fängt das Problem schon an: Viele Optionen sind schwer im Kopf zu behalten und gegeneinander abzuwägen – das nennt sich dann Overchoice-Effekt.

Studien zeigen, erklärt Henning Beck, dass wir eine kleine Auswahl kognitiv managen können, aber ab etwa sechs bis acht Wahlmöglichkeiten schon treffen Menschen gar keine Entscheidungen mehr, schlechte Entscheidungen, die sie dann bereuen oder korrigieren wollen, oder solche, zu denen sie später gar nicht mehr stehen.

"Entscheiden ist so ein Ping-Pong-Spiel zwischen den emotionalen und den rationalen, bewussten Gehirn-Arealen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

An diesem Prozess sind verschiedene Gehirnbereiche beteiligt, erklärt der Neurowissenschaftler. Zunächst befassen sich Areale, die für Emotionales zuständig sind eben mit der Entscheidung, ob ich was erreichen oder vermeiden will. Die Wahlprozesse danach passieren eher im Stirnhirnbereich, wobei das Emotionale immer dabei ist – das ist ein ständiges Hin und Her, sagt Henning Beck.

Tipps gegen den Overchoice-Effekt

Wollt ihr dem Overchoice-Effekt entgehen, habt ihr mehrere Möglichkeiten, rät er. Zum Beispiel könnt ihr Optionen im Vorhinein eingrenzen - bei einer Kaufentscheidung etwa, indem ihr erst mal einen Online-Assistenten nutzt, um die Auswahl einzugrenzen.

"Unterbewusst hat man sich häufig schon entschieden. Man muss es dann nur noch bewusst zulassen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Was auch hilft: Sich kurz unter Stress setzen. Die Intuitionsforschung hat gezeigt, so Henning Beck, dass, wenn ihr euch intensiv in ein Thema eingearbeitet habt und alle Optionen kennt, eine simulierte Zwangs-Entscheidung eure unterbewusste Wahl offenbart.

Also: Ihr simuliert die Entscheidung mit einem Würfel, einem Münzwurf oder ähnlichem. Während der Zufall eine Entscheidung für euch trifft, ahnt ihr, welcher Outcome euch eigentlich der liebste wäre. Denn intuitiv habt ihr euch längst entschieden, ihr müsst dem nur nachgeben, so der Neurowissenschaftler.

Gezielter Stress offenbart eure unterbewusste Wahl

Wenn ihr euch zwischen dreißig Müslisorten im Supermarktregal entscheiden müsst, ist ein Würfel mit sechs Seiten oder eine Münze mit nur zwei Optionen natürlich zu wenig. Aber auch hier hilft der Stress-Trick: Henning Beck greift dann schon mal blind irgendwohin, verrät er. Wenn er dann sieht, dass er die Sorte in seiner Hand definitiv nicht haben will, fällt es ihm anschließend leichter, eine andere auszuwählen.

Oder zurück im Café: Reduziert die Mega-Auswahl auf der Karte schon mal auf etwa drei Optionen. Wenn dann die Kellnerin kommt, spuckt spontan die erste der drei Möglichkeiten aus, die euch in dem Moment in den Sinn kommt – auch dabei hilft euch dann meist euer Unterbewusstsein, so Henning Beck.