Die neuen E-Autos sind leise und damit eigentlich etwas Wunderbares. Allerdings machen sie auch die Straßen unsicher. E-Sounddesigner sollen Abhilfe schaffen. 

Der Sommer kommt und mit ihm ein kräftiges Wummern in den Städten. Wer einen Sportwagen hat, zeigt ihn jetzt her – und lässt ihn hören. Für Fußgänger und Anwohner nicht immer schön, wenn PS-Prolls so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber diese Aufmerksamkeit hat auch einen Vorteil: Sie schützt. Denn Autos, die wir nicht hören, nehmen wir unter Umständen gar nicht wahr. Das ist auch den Verantwortlichen in der Europäischen Union (EU) aufgefallen. Ihre Forderung: Neue Hybrid- und Elektro-Modelle müssen Krach machen. Unser Reporter Stephan Beuting hat sich das angehört. Etwa den BMW i3. 

Stefan hört zu, wie er von 80 auf etwa 140 km/h beschleunigt. Bei einem herkömmlichen Auto hätten wir schon über den Sound sofort eine Idee von der Größe und auch von der Marke. Profis erkennen das Blubbern eines Chevys oder das Röhren des Porsche. Der Ferrari heult und ein alter VW-Bus ist auch nicht zu verkennen. Aber diese Zeiten sind vorbei. 

Straßenverkehr ist lästige Lärmquelle

Der Straßenverkehr ist seit Langem die Lärmquelle Nummer eins in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger fühlt sich durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt, sagt das Umweltbundesamt. Also eigentlich herrliche Aussichten,  dass es bald ruhiger werden könnte. Aber genau jetzt möchte die EU, dass E-Autos bis zur Geschwindigkeit von 20 km/h Fußgänger "mittels eines Schallzeichens" warnen müssen.

Grundsätzlich ist da Vieles denkbar: vom Gong über einen Tusch bis zum Lichtschwert-Sound. Doch leider scheint die EU keinen Spaß zu verstehen. Der Sound müsse autoähnlich sein. Soundtüftler sind also gerade gut beschäftigt. Auch Hugo Fastl, Professor an der Technischen Universität München.

"Es ist sehr wichtig für die einzelnen Hersteller von Fahrzeugen, dass innerhalb einer Vorschrift noch jede Menge an Spielraum ist, um Geräusche zu erzeugen, die dann typisch sind."
Hugo Fastl von der Technischen Universität München

Wir haben bei BMW, Audi und Daimler nachgefragt, ob sie uns verraten, wie das Auto der Zukunft klingen soll. Leider keine Antwort. Hugo Fastl zeigt dafür Verständnis. Es sei sehr wichtig, dass der Sound geheim gehalten wird, bis er marktreif ist.  

Den typischen Sound retten

BMW beschäftigt rund um Soundfragen 300 Angestellte. Porsche will auf jeden Fall das "typische Crescendo", das einen Porsche ausmache, in die elektrische Zeit retten. Hugo Fastl hat an seiner Hochschule selbst dazu geforscht und zumindest herausgefunden, was gar nicht in Frage kommt: hohe Töne. Sie werden über alle kulturellen Grenzen hinweg als störend und unangenehm empfunden. 

Was als angenehm gilt, das ist schon etwas schwieriger zu klären. Auch hier hat sich Fastls Team versucht. Das Ergebnis klingt neutral, hat nach Meinung unseres Reporters Stephan Beuting aber immerhin mehr Charakter als die Variante einer deutschen Tuning-Firma. Stephan Beuting hofft aber auch: Vielleicht können wir dieses Markendenken überwinden. Sein Wunsch: Ein E-Auto-Sounddesign, das dabei hilft, die aggressive Stimmung im Stadtverkehr etwas abzumildern. 

Mehr zum Thema Elektromobilität: