Henriette Hell lebt ein glückliches Leben als Single. Bis sie 30 wird und plötzlich viele Menschen meinen, dass sie heiraten und Kinder kriegen müsse.

Frauen in Deutschland sind bei der Geburt ihres ersten Kindes laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt 30,2 Jahre alt. Auch die Autorin Henriette Hell spürt, dass sich mit dem Wechsel von ihren Zwanzigern in die Dreißiger etwas verändert. Doch nicht sie ändert sich, sondern die Erwartungen ihres Umfelds an sie als Frau sind plötzlich andere, sagt sie.

"Plötzlich geht der Stress los. Es schlägt 30 und die Sichtweise, wie du von der Gesellschaft als Frau wahrgenommen wirst, hat sich verändert."
Henriette über die Erwartungen an Frauen in ihren Dreißigern

"Ich hatte das Gefühl, dass sich plötzlich alles nur noch um das Thema
Fortpflanzung dreht", erzählt sie. Besonders die Situation als Single-Frau bei Hochzeiten aufzutauchen, ist ihr dabei in Erinnerung geblieben. "Früher war man noch der heiße Hingucker, und plötzlich bist du der Ü-30 Problemfall, weil du ohne Plus Eins aufgeschlagen bist", sagt sie. Und weiter: "Immer fragen alle: 'Hast du immer noch keinen Freund?' Oder sagen: 'Ach Mensch, der Richtige kommt bestimmt noch.' Es ist ein mitleidiger Blick auf einen – und man selber denkt: 'Häh? Mir geht es doch wunderbar.'"

Henriette hatte das Gefühl, versagt zu haben

Die Reaktionen aus ihrem Umfeld hätten sie stark irritiert und gewundert, erinnert sich Henriette. "Es war ja alles cool. Ich habe mein Leben geliebt. Plötzlich habe ich gemerkt, dass mich die anderen in eine Art Schablone stecken wollen", sagt sie. Dieser Druck von außen habe etwas mit ihr gemacht, erzählt Henriette. Deshalb versucht sie mit ihrem damaligen Partner zusammenzuziehen. Die Beziehung scheitert, weil sie, wie sie heute sagt, noch nicht dazu bereit gewesen sei.

"Es gibt diese Checklisten und die muss ich abarbeiten, wenn ich ein 'gelungenes Leben' führen möchte. Wenn ich das nicht auf die Reihe kriege, habe ich versagt."
Henriette über ihre damalige Angst zu versagen

Doch das Scheitern dieser Beziehung ist es, was Henriette braucht, um herauszufinden, was sie wirklich vom Leben möchte, sagt sie. "Jeder entscheidet selbst, wie ein gelungenes Leben aussieht. Das war auch meine wichtigste Erkenntnis. Du musst in dich reinschauen und musst deine Begehrlichkeiten auf den Prüfstand stellen", erklärt Henriette.

Auf unsere Bedürfnisse hören, nicht auf die Wünsche von anderen

Damit meint sie: Kommt der Wunsch, im Alter von rund dreißig Jahren verheiratet zu sein und Kinder zu haben aus uns selbst heraus? Oder ist vielleicht unser Umfeld dafür verantwortlich? Denn oft, so ihre Einschätzung, komme der Stress, den wir verspüren und der Druck, dem wir uns aussetzen, von einer gesellschaftlichen Vorstellung davon, wie ein gelungenes Leben auszusehen habe.

"Wenn man herausfindet: 'Ich bin nicht so weit.' Oder: 'Das ist nicht mein Weg.' Dann einfach kompromisslos und völlig entspannt das tun, worauf man Bock hat."
Henriette über ihre Theorie der "Happy Existenz", die sie dem Happy End vorzieht

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