Der Axolotl ist ein wundersames Tier: Der Schwanzlurch kann ganze Gliedmaßen und Organe regenerieren. In Mexiko kümmern sich Nonnen um einen Verwandten der Axolotl - weil sie aus ihm Hustensaft machen.

Wenn ein Axolotl ein Beinchen verliert, dann wächst es voll funktionsfähig nach. Wie lange das dauert, hängt vom Alter der Tiere ab, erklärt Sarah Strauß. Die Biologin ist Leiterin am Kerstin Reimers Labor für Regenerationsbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. "Wenn bei Babys ein Bein ab ist, ist das eine Sache von drei Wochen. Unser ältestes Tier ist mit 23 gebissen worden, da hat das ein Jahr gedauert."

Das bedeutet aber nicht, dass die laut Sarah Strauß sehr zutraulichen und neugierigen Tiere für immer leben können. "Regeneration heißt nicht forever young", erklärt die Forscherin. "Die alte Lady hat Alterungserscheinungen. Die hatte Falten, trübe Augen und hat eigentlich nur noch geschlafen - so wie alte Leute." 

"Regeneration heißt nicht forever young"
Sarah Strauß, Leiterin am Kerstin Reimers Labor für Regenerationsbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover

Weil das Axolotl Organe wiederherstellen kann, ist es für die Forschung interessant. Sarah Strauß und ihre Kollegen haben ein Enzym patentieren lassen, das das Tier produziert. Dieses Enzym haben die Forscher an menschlichen Zellkulturen getestet. "Die Wunden in den Zellkulturen sind schneller verheilt", sagt sie.

Verbessern Axolotl-Enzyme die Wundheilung?

Patienten mit schwer heilenden oder großen Wunden, zum Beispiel Menschen mit starken Verbrennungen, könnte die schnellere Wundheilung durch Axolotl-Enzyme helfen. "Damit minimiert man das Leiden der Patienten, die Kosten und auch das Infektionsrisiko." Bis das Enzym jedoch als Medikament verfügbar ist, vergehen wohl noch viele Jahre, denn die Wege zu einer Zulassung sind sehr lang. "Wir müssen jetzt erst einmal nachweisen, dass das auch wirklich sicher ist und nicht irgendwelche Nebenwirkungen hat. Dass einem Kiemen wachsen oder so."

Der Hustensaft der Nonnen

Nicht nur die Axolotl sind für die Medizin von Bedeutung, sondern auch ihre Verwandten. In Mexiko züchten Nonnen eine vom Aussterben bedrohte Querzahnmolch-Art, um aus ihnen Hustensaft zu gewinnen. Das genaue Rezept ist jedoch geheim. "Ich vermute ganz stark, dass da bestimmte antimikrobielle Peptide drin sind", sagt Sarah Strauß. Das sind Eiweiße, die gegen Mikroorganismen und Viren wirksam sind - sogar effektiver als Antibiotika.

"Die Querzahnmolche - gerade die, die im Wasser leben - haben eine sehr effektive antimikrobielle Abwehr."
Sarah Strauß, Leiterin am Kerstin Reimers Labor für Regenerationsbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover

"Die Tiere brauchen das zum Überleben, weil sie kein Immunsystem haben wie wir, mit Antikörpern und Fresszellen", erklärt die Biologin. Die Eiweiße schützen die Molche. Sarah Strauß kann sich gut vorstellen, dass der Schwanzlurch-Hustensaft Menschen helfen kann. Es gebe verschieden Studien, die gezeigt haben, dass solche Peptide effektiv wirken. "Sogar gegen Keime, die uns im Moment wegen ihrer Antibiotika-Resistenzen das Leben schwer machen." 

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