Wir bedanken uns täglich bei anderen und tun uns damit eigentlich selbst einen Gefallen – sagen US-Psychologen. Unser Reporter hat sich ihre Studie angesehen und mit einem Psychologen aus Deutschland gesprochen.

Als Studienthema ist Dankbarkeit in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden – unter ganz funktionalen Gesichtspunkten: Beispielsweise als Garant für mehr soziale Kontakte und um Depressionen vorzubeugen.

Auch die amerikanischen Psychologen Amit Kumar und Nicholas Epley von der University of Chicago haben sich an die Arbeit gemacht. Ein Artikel mit ihren Ergebnissen wurde in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.

Dank und seine Wirkung

Die beiden Forscher kommen zu dem Ergebnis: Menschen, die Dankbarkeit zeigen, unterschätzen die Wirkung des Dankes in der Regel. Deswegen könnten sie dazu neigen, im Alltag seltener Dankbarkeit zu zeigen.

Unser Reporter Stephan Beuting hat mit Henning Freund gesprochen. Er ist Professor für Psychologie an der evangelischen Hochschule in Marburg. Er forscht selber zu dem Thema und hat sich auch mit der Studie aus den USA beschäftigt.

"So wie ich die Studie verstanden habe, unterschätzen viele die positive Auswirkung ihrer Danksagung und unterlassen deshalb oft den Ausdruck von Dank."

Henning Freund hat für seine Untersuchung und ein Dankbarkeitstraining Probanden ausgesucht, die überdurchschnittlich viel über ihr Leben grübeln, bei denen negative Gedanken ausgeprägt sind und von denen manche depressive Tendenzen aufweisen.

Dank lässt sich trainieren

Er wollte herausfinden, inwiefern es dieser Gruppe hilft, im Alltag mehr auf Dankbarkeit zu achten. Sein Ergebnis: Das Dankbarkeitstraining dämmte die Grübeltendenzen effektiv ein – für die Dauer von Monaten.

"Wir konnten zeigen, dass durch das Dankbarkeitstraining das Ausmaß von Sorgen und Grübeln sich bei den Teilnehmern in sehr starkem Maße reduziert hat – noch drei und sechs Monate nach dem Training."

Der amerikanischen Studie liegt die Annahme zugrunde, dass das Ausdrücken von Dankbarkeit grundsätzlich das Wohlbefinden verbessert. Das gilt sowohl bei demjenigen, der sich bedankt, als auch bei demjenigen, der den Dank empfängt. Eine egozentrische Voreingenommenheit, so Amit Kumar und Nicholas Epley weiter, hindere die Versuchsteilnehmer daran, ihre Dankbarkeit häufiger zum Ausdruck zu bringen.

Sie haben dazu vier Versuche mit Gruppen von 129, 100 und 50 Menschen durchgeführt. Die Teilnehmer  versendeten in unterschiedlichen Versuchsanordnungen Dankesnachrichten. Dann fragen die Wissenschaftler die Stimmung der Empfänger ab und dokumentierten diese.

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