Das Kragenfaultier zählt zu den am stärksten bedrohten Säugetieren Südamerikas. Durch die Abholzung brasilianischer Regenwälder verliert es an Lebensraum. Forschende setzen sich dafür ein, dass die Art überlebt.

Das Kragenfaultier lebt in der Mata Atlântica, dem Atlantischen Regenwald in Brasilien. Die Abholzung der dortigen Regenwälder grenzt den Lebensraum dieser Art immer stärker ein. Die Tiere kommen aber nur hier vor. Das heißt: Wenn diese Kragenfaultier-Exemplare aussterben, ist die gesamte Art verloren.

Ein Team von Forschenden fängt deshalb manche Tiere ein, untersucht sie und stattet sie mit Peilsendern aus, um die Art besser schützen zu können.

"Normalerweise braucht es drei bis fünf Tage, bis man ein Kragenfaultier findet. Hier haben wir am ersten Tag sieben gesichtet."
Gastón Guiné, brasilianischer Faultierforscher

Gastón Guiné ist einer der bekanntesten brasilianischen Faultierforscher und leitet ein Team, das zu einer dreiwöchigen Expedition in den Atlantischen Regenwald im Bundesstaat Bahia aufgebrochen ist. Unser Reporter Philipp Lemmerich hat die Wissenschaftler begleitet, die an diesem Expeditionstag schon nach einer Stunde das erste Faultier sichteten – eine glückliche Ausnahme, denn das kann sonst Tage dauern.

Gut getarnt und selten

Die Tiere sind selten und extrem scheu. Ihr Fell bietet eine fast perfekte Tarnung, die es schwierig macht, sie in den Baumwipfeln zu entdecken. Das gerade gesichtete Kragenfaultier hängt in 15 Metern Höhe in der Krone eines noch jungen Baumes. Nach dreitägiger Expedition können die Forschenden nun also das erste Tier untersuchen.

Isolation der Tiere trägt zum Aussterben bei

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die brasilianischen Regenwälder in größerem Ausmaß abgeholzt worden als zuvor – das ist anhand von Satellitenbildern erkennbar. Ein großes Problem für die Tiere besteht darin, dass sie voneinander isoliert werden, wenn ihr Lebensraum immer weiter zerstört wird.

Die Tiere können keine nämlich größeren Entfernungen zurücklegen, weil sie sehr unbeholfen und langsam sind, wenn sie sich auf dem Boden fortbewegen. Somit werden sie auch zu einer leichten Beute für ihre natürlichen Feinde, wenn sie von den Bäumen herunterkommen.

"Wir werden für die Forschung kämpfen. Ich werde weitermachen hier in Brasilien, kämpfen für das, was ich für richtig halte. Ich will etwas beitragen zu Umweltschutz und Artenvielfalt."
Paloma Marques Santos, Faultierforscherin

Sobald die Forschenden ein Kragenfaultier entdeckt haben, klettert einer der beiden Kletterer, die Teil des Teams sind, auf den Baum. Das Tier lässt sich leicht eingefangen, wird betäubt und zu einer 200 Meter entfernt gelegenen Forschungsstation gebracht.

Die Forscherin Paloma Marques Santos arbeitet seit 2012 mit Faultieren. Sie misst Herz- und Atemfrequenz des betäubten Tieres, nimmt ihm Blut ab und setzt ihm einen kleinen Rucksack mit GPS-Sender auf. Danach warten die Wissenschaftler darauf, dass das Tier aus der Narkose erwacht und lassen es wieder frei.

"Die Lage ist extrem schwierig. Wenn du zu Umweltfragen forschst, hast du kaum Chancen. Wir haben eine Regierung, die Umweltschutz ablehnt. Eine Regierung, die unsere Arbeit verachtet."
Paloma Marques Santos, Faultierforscherin

Situation für Naturforscher in Brasilien schwierig

Die Faultierforscherin Paloma Marques Santos sagt, dass es für Naturforscher und Wissenschaftler in Brasilien schwierig ist, zu arbeiten, weil die Regierung Umweltschutz ablehne. Es gebe keine Jobs, keine Forschungsgelder und manche ihrer Kollegen würden ehrenamtlich arbeiten. Zudem gibt Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro immer mehr Wälder zur Rodung frei.

Die Faultierforscherin wolle aber trotzdem bleiben und weiter forschen. Sie wolle sich nicht den Willen nehmen lassen, die Gesellschaft zu verändern.

Mehrere Jahre lang will das Team um den Forscher Gastón Giné Daten über Kragenfaultiere sammeln und Tiere mit Peilsendern ausstatten. Dass 88 Faultierarten bereits ausgestorben sind, aber das Kragenfaultier immerhin noch existiert, stimmt den Forscher Gastón Giné hoffungsvoll.

"Hier in Brasilien ist die Lage extrem schwierig. Wenn du zu Umweltfragen forschst, hast du kaum Chancen. Wir haben eine Regierung, die Umweltschutz ablehnt. Eine Regierung, die unsere Arbeit verachtet."
Paloma Marques Santos, Faultierforscherin