Deutsche sehen Migration als Chance – so eines der Ergebnisse einer Studie, über die wir diese Woche berichtet haben. Auf Facebook zweifeln User die Methodik der Studie an. Wir haben uns von einer Statistik-Expertin erklären lassen, wie genau solche Befragungen funktionieren.

"Mich haben sie nicht gefragt" schreibt uns ein User auf Facebook als Kommentar zu einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel "Das pragmatische Einwanderungsland – Was die Deutschen über Migration denken". Auch andere User bezweifeln den Aussagegehalt der Studie.

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Für die Migrations-Studie wurden mittels einer Telefonbefragung die Daten von über 3.000 Menschen erhoben. Das seien schon überdurchschnittlich viele Teilnehmer für eine solche Methodik, sagt die Statistik-Expertin Katharina Schüller. Normal sei hier eher eine Zahl von 1.000 Befragten.

"3.000 Befragte sind schon überdurchschnittlich viel. Normalerweise fragt man eher 1.000."
Katharina Schüller, Statistik-Expertin

Die Teilnehmer werden zufällig über ein Telefon-Stichproben-System ausgewählt. Damit werden Festnetz– und Mobilfunknummern simuliert, da es keine komplette Liste von allen Bürgern mit Telefonnummern in Deutschland gebe. In Datenbanken werde dann die Gültigkeit der Nummern abgefragt.

Eine Glückssache, Teilnehmer zu finden

Über die Ortsvorwahl werde bei Festnetznummern eine regionale Verteilung sichergestellt. Bei Mobilfunknummern könne nur auf eine gleiche Verteilung der Provider geachtet werden, sagt die Expertin. Um 3.000 Menschen zu befragen, brauche es circa 20.000 bis 30.000 Nummern, so Katharina Schüller. Sei es, weil die Menschen nicht abheben oder sie an der Befragung nicht teilnehmen wollen. Einen Teilnehmer zu finden, sei generell schon eher ein Glückssache. Oft seien die Menschen genervt, dass jemand anruft und Fragen stellt.

"Ganz ehrlich, ich denke, die meisten sind eher total genervt, wenn schon wieder jemand anruft und irgendwelche Fragen stellt."
Katharina Schüller, Statistik-Expertin

Männlich oder weiblich, Altersgruppe, Einkommen, Haushaltsgröße: In den Telefoninterviews werden zahlreiche statistische Größen abgefragt. Die seien auch nötig, um Antworten zu gewichten. Heißt: Nehmen zu wenige Frauen teil, dann zähle die Antwort einer Frau ein bisschen mehr als die eines Mannes, sagt Katharina Schüller. So versuchen die Forscherinnen sich der realen Verteilung von Männern und Frauen in der Gesellschaft anzunähern.  

Menschen mit extremer Meinung ein Problem

Über diese Gewichtung könnten Forscher harte Ungleichgewichte bezüglich Geschlecht, Alter oder Einkommen ausgleichen. In dieser Hinsicht seien die Befragten tatsächlich repräsentativ, sagt die Expertin. Wirklich problematisch für die Forschung seien oft Menschen, die nicht antworten, weil sie eine bestimmte Meinung vertreten – meist eine extreme Meinung. Es kommt auch vor, dass Menschen, die eine andere politische Meinung vertreten, bei Fragen zur Migration nicht ehrlich oder auch gar nicht zu antworten.

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