Fast acht Milliarden Menschen leben auf der Erde – und es werden immer mehr. Eine Studie aus den USA sagt nun allerdings, dass es nicht so drastisch vorangeht wie angenommen. Außerdem meinen die Forschenden: Mit dem Wachstum könnte es sogar bald ganz vorbei sein.

In der Studie hat ein Forschungsteam um den Professor Stein Emil Vollset von der University of Washington Daten des "Global Burden of Disease"-Berichts von 2017 ausgewertet. Dieser gibt unter anderem Aufschluss über Trends zu Sterblichkeit und Gesundheit. Aus diesen Daten haben die Forschenden ihre Prognosen zu Sterblichkeit, Geburtenrate und Migration abgeleitet.

"Laut den Berechnungen steigt die Weltbevölkerung noch bis zum Jahr 2064 an. Dann müsste es rund 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde geben."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Ihre Vermutung: Bis zum Jahr 2064 wird die Bevölkerung weiter zunehmen. Insgesamt 9,7 Milliarden Menschen sollen ihren Berechnungen nach zu diesem Zeitpunkt auf der Erde leben, sagt Sabrina Loi von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten.

Dieser Wert soll aber den Höhepunkt markieren – ab dann geht die Bevölkerungszahl laut den Berechnungen wieder zurück. Am Ende des Jahrhunderts sollen es den Forschenden zufolge dann etwa 8,8 Milliarden Menschen sein.

Theorie: Bildung von Frauen führt zu Bevölkerungsrückgang

Ein Grund dafür, dass die Bevölkerung zurückgehen könnte, ist demnach die immer besser werdende Bildung von Frauen und Mädchen. Außerdem werden auf der ganzen Welt der modernen Verhütungsmittel zugänglicher.

Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass die Geburtenraten in fast allen Ländern deutlich sinken werden – auch in Ländern in Afrika südlich der Sahara. Dort ist die Rate momentan noch vergleichsweise hoch.

Verschiedene Prognosen zu Bevölkerungswachstum

Mit ihren Prognosen stellt sich das Forschungsteam aus den USA gegen andere Studien, die ein sehr viel stärkeres Bevölkerungswachstum annehmen. Die Vereinten Nationen etwa gehen davon aus, dass im Jahr 2100 elf Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Allerdings berücksichtigt die Uno nur Alter und Geschlecht bei der Berechnung.

"Wir haben vielleicht eine falsche Vorstellung davon, wie die Kurve aussieht: Wir sehen, dass es in den letzten Jahrzehnten einen Anstieg gab, und verlängern die Kurve im Kopf genauso steil weiter."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Oft liegt hinter der Annahme, dass die Bevölkerung immer wachsen wird, eine falsche Vorstellung von der Kurve: Wir sehen, dass es einen Anstieg gab, und führen diese Kurve im Kopf genauso fort, sagt Sabrina Loi. Doch realistischer ist, dass die Kurve bald abflacht und sich auf einem Plateau einpendelt, bevor sie wieder etwas sinken wird.

Weltbevölkerung wird immer älter

Die Forschenden prognostizieren außerdem: Die Menschen auf der Erde werden immer älter sein. Die Anzahl der Menschen über 80 Jahren wird sich in den kommenden Jahrzehnten laut der Prognose versechsfachen, sagt Sabrina Loi. Gleichzeitig werde die Zahl der Kinder stark zurückgehen. Das würde bedeuten: Es gibt nicht mehr so viele Menschen im erwerbsfähigen Alter – und das wird das Wirtschaftswachstum behindern, so die Untersuchung.

"China wird das größte Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften – und damit die USA ablösen. Aber das könnte sich wieder ändern, da auch in China die Bevölkerung stark zurückgehen wird."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Das würde auch dazu führen, dass sich die Weltmächte verschieben, sagt Sabrina Loi. China wird demnach voraussichtlich das größte Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften. Doch auch das könnte sich wieder ändern, denn auch in China wird die Bevölkerung laut der Forschenden stark zurückgehen.

Auch in Europa würde sich der Studie zufolge die wirtschaftliche Landkarte verändern: In Italien und Spanien beispielsweise soll die Bevölkerungszahl teilweise um mehr als die Hälfte schrumpfen. Und: Die beiden Nationen würden um die Jahrhundertwende im Jahr 2100 nicht mehr zu den Ländern mit den Spitzen-Bruttoinlandsprodukten in Europa gehören.

Offene Einwanderungspolitik für wirtschaftliche Stabilität

In der Lancet-Studie gehen die Forschenden davon aus, dass der Höchststand der Bevölkerung in Deutschland in etwa 15 Jahren erreicht sein wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird er wieder absinken – auf etwa 66 Millionen.

Trotzdem rechnen die Forschenden damit, dass Deutschland unter den zehn stärksten Wirtschaftsnationen bleiben wird. Die beste Taktik, damit es wirtschaftlich weiter gut läuft, wäre laut ihnen eine offene Einwanderungspolitik. Außerdem sollte die Politik Familien darin unterstützen, so viele Kinder zu bekommen wie sie möchten – und entsprechend für sie zu sorgen und das Arbeitsleben demnach zu gestalten.