Biodiversität ist auch in der Stadt ein Thema: Fionn Pape ist Biologe und beschriftet in Göttingen sogenanntes Unkraut auf Gehwegen. Mit Kreide schreibt er den botanischen Namen daneben. "Das ist Umweltbildungsarbeit," um auf die Artenvielfalt aufmerksam zu machen.

Die beschrifteten Wildkräuter teilt Fionn Pape unter #mehralskraut und #nichtnurunkraut auf Twitter.

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Fionn hat Biologie in Göttingen studiert und sich auf Biodiversität spezialisiert. Mit seiner Aktion greift Fionn einen Trend aus Frankreich und Großbritannien. Auf Englisch wurde die Aktion unter #morethanweeds bekannt. Ziel ist es, dem Artensterben entgegenzuwirken. Deshalb sei es wichtig, Stadtmenschen darüber aufzuklären, mit wie vielen Arten sie allein in der Stadt zusammenleben.

Fionn Pape Botaniker Biologe
© Fionn Pape
Fionn Pape mal nicht in der Stadt unterwegs

Allein in Göttingen gibt es 700 Pflanzenarten, erzählt Fionn. Häufig kommen Pflanzen vor, die an Extremstandorte wie in Pflasterritzen angepasst sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie kurzlebig sind und sich schnell aussamen können.

Pflanzen sind Nahrungsquelle für andere Arten

Die Pflanzen haben für andere Arten wie Wildbienen meist eine große Bedeutung. Fionn ist der Meinung, dass beim Insektensterben noch zu wenig diskutiert wird, dass das mit dem Verschwinden verschiedener Futterpflanzen, die Wildkräuter sind, zu tun hat.

Was für uns wie Unkraut aussieht, das wir entfernen, ist beispielsweise für Insekten eine Nahrungsgrundlage, die wir ihnen so entziehen. Fionn hält Unkrautentfernen für einen falsch verstandenen Ordnungssinn.

"Man kann fast überall, wo man sucht, Pflanzen finden - zum Beispiel mitten in der Göttinger Innenstadt in den Pflasterritzen."
Fionn Pape, Biologe

In den Fugen und Ritzen von Pflastersteinen gibt es richtige Pflanzengesellschaften, sagt Fionn. Noch interessanter sind Industriebereiche, die nicht stark genutzt werden oder brach liegen.

Sobald sich Fionn an die Arbeit macht, die Pflanzen zu beschriften, würden die Passanten stehen bleiben und interessiert nachfragen.

"Wir haben ja nicht nur einen Rückgang der Arten, sondern auch der Artenkenntnis."
Fionn Pape, Biologe

Fionn hält die Aufklärung über Pflanzenarten in der Stadt für sehr wichtig, "denn nur was man kennt, will man auch schützen". Für die meisten Menschen, die Fionn bei seinen Aktionen ansprechen, sei es überraschend, dass es so viele Arten in einer Stadt gibt.

"Das ist Umweltbildungsarbeit, die ich da betreibe."
Fionn Pape, Biologe

Dass es so viele Arten in der Stadt im Vergleich zum Land gibt, liege aber nicht daran, dass die Städte artenreicher geworden seien. Ganz im Gegenteil liegt es daran, dass die Biodiversität auf dem Land durch die intensive Landwirtschaft massiv abgenommen hat.

Viel Artendynamik in Städten

Historisch betrachtet seien Städte auch an Stellen gegründet worden, die reich an Strukturen waren wie Wald oder Wasserwege, und so viele Arten schon zur Stadtgründung vorhanden waren. Später haben sich Arten durch Schifffahrtswege, Eisen- oder Autobahnen verbreitet.

"Gerade diese urbanen Lebensräume sind von einer hohen Dynamik geprägt, man findet relativ oft Arten, bei denen man sich fragt, wie sind die bloß hierher gekommen."
Fionn Pape, Biologe