Patrick Schmitts Masterarbeit in Biologie soll neue Erkenntnisse über die Katersymptome liefern. Für seine Studie haben sich 240 Probanden volllaufen lassen.

An der Studie haben 240 Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren teilgenommen. Die haben aber nicht alle zusammen eine Dauerparty gefeiert, sondern wurden von Patrick Schmitt in Gruppen eingeteilt, um sie besser überwachen zu können. "Ich habe eigentlich den gesamten Sommer 2017 damit verbracht, an den Wochenenden in der Uni zu stehen und die Probanden durchzumessen und zu überwachen", erklärt Patrick.

"240 Leute auf einen Schlag zu überwachen, wäre unmöglich gewesen - gerade wenn auch Alkohol im Spiel ist. Das ist etwas ganz anders, als wenn man Messdaten an nüchternen Personen erhebt."
Patrick Schmitt erforscht den Kater

Patrick forscht aber nicht selbstlos, um für Partybegeisterte das Katerproblem zu lösen. Vor fünf Jahren hat er sich mit einer Produktentwicklungsfirma für Nahrungsergänzungsmittel, funktionelle und diätetische Lebensmittel selbstständig gemacht. Seit drei Jahren betreibt er auch eine Sachverständigenkanzlei für Nahrungsergänzungs- und Arzneimittel. Aufgabe ist beispielsweise, die Verkehrsfähigkeitsprüfung der Produkte zu prüfen. 

Patrick Schmitt (rechts) im Labor
© Patrick Schmitt
Patrick (rechts) im Labor

Unter anderem hat er das Unternehmen betreut, das ein Anti-Kater-Mittel entwickelt hat. Dieses Unternehmen wiederum hat Patrick gefragt, ob er an der Verbesserung der Rezeptur mitarbeiten wolle. Patrick hat seinerseits die Neuentwicklung und die Studie perfekt für seine Masterarbeit verwenden können. Die Johannes-Gutenberg-Uni Mainz, beziehungsweise sein Professor Bernhard Lieb, haben Patrick bei der Studie unterstützt, sodass er auch auf wissenschaftliche Helfer zurückgreifen konnte.

Probanden haben Alkoholmenge selbst bestimmt

Weil der Kater sehr individuell ist, hat Patrick keine bestimmte Dosis festgelegt – der eine verträgt mehr, der andere weniger. Deshalb hat er es den Probanden selbst überlassen, wie viel sie trinken. Die aufgenommene Menge rechnet Patrick dann in Milliliter Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht um. Daraus berechnet er die Vergleichsdaten. Festgelegte Rahmenbedingungen waren die Zeit und Essensverbot während der Studie. Innerhalb von vier Stunden haben sich die Probanden dann an Bier, Wein und auch Wasser bedient.

"Wir haben uns bewusst gegen Spirituosen entschieden."
Patrick Schmitt über das Studiendesign seiner Kater-Studie

Dabei hat sich Patrick auch dafür interessiert, was passiert, wenn Teilnehmer nur Bier oder Bier und Wein gemischt getrunken haben. An einer Art Theke haben die Probanden mit ihrem Laufzettel die Getränke abgeholt. Auf dem Zettel wurde genau vermerkt, wann welcher Alkohol in welcher Menge ausgegeben wurde. Sogar die Toilettengänge wurden protokolliert. 

Probanden derKater-Studie
© Patrick Schmitt
Patrick (rechts) im Labor

Eine Gruppenstudie hat vier Stunden gedauert und ist meist gegen 23 Uhr zu Ende gegangen. Die Probanden haben dann aber am Morgen danach um 8 Uhr wieder im Labor sein müssen, wo die gleichen Messungen wie am Tag davor gemacht wurden. Außerdem haben die Probanden eine psychometrischen Fragebogen beantwortet, auf dem sie die Stärke der Katersymptome auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet haben. Nach einer Untersuchung von 2010 gibt es 47 Katersymptome.

"Da zolle ich den Probanden großen Respekt, dass die meisten es wirklich geschafft haben, am nächsten Morgen wieder zu kommen."
Patrick Schmitt über die Probanden seiner Kater-Studie

Eine Gruppe der Probanden hat das Anti-Kater-Mittel verabreicht bekommen. Die zweite Gruppe hat eine abgeschwächte Version bekommen und die dritte das Placebo. Vorab kann Patrick sagen, dass das Mittel bei Kopfschmerzen und Übelkeit Wirkung zeigt und statistisch gesehen die Pflanzenextrakte eine entscheidende Rolle spielen. Bei einer höheren Dosierung sind wenige Probanden sogar am nächsten Tag symptomfrei frei gewesen. 

"Wir konnten in der Studie tatsächlich feststellen, dass Wasser trinken oder die getrunkene Menge an Wasser absolut gar keinen Effekt auf die Katersymptome hat."
Patrick Schmitt über seine Kater-Studie

Schluss mit alten Anti-Kater-Mythen

So ist auch ein Ergebnis der Studie, dass der Wasserverlust beim Saufen unter einem Prozent liegt. Damit räumt Patrick mit einem Mythos rund ums "Richtig-Alkohol-Trinken" auf. Eine Dehydration ist demnach so gut wie nicht vorhanden. "Wasser trinken ist nicht schädlich, aber es hat keinen Effekt nach unserer Studie", fasst Patrick zusammen.

Patrick kann auch mit ein paar alt bekannte Mythen und Tipps für den Kater am Tag danach aufräumen. Laut seiner Studie helfen weder Rollmops noch salziges Essen.

Antioxidantien helfen gegen den Kater

Am nächsten Morgen sind Maßnahmen gegen den Kater ohnehin zu spät – bis auf den Spaziergang an der frischen Luft, der den Kreislauf wieder in Schwung bringt.

Was hilft: Antioxidantien aufnehmen, bevor ihr trinkt, von denen bekannt ist, dass sie an der richtigen Stelle im Körper wirken wie:

  • Ingwer
  • Kaktusfeige
"Man muss vorausplanen. Wenn ich darauf achte, regelmäßig bestimmte Pflanzen oder Obstsorten zu mir zu nehmen, dann kann es durchaus passieren, dass ich den Alkohol besser vertrage."
Patrick über das Vermeiden von Kater

Außerdem ist es sinnvoll, den Vitamin- und Elektrolythaushalt aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel mit Kokosnusswasser, weil Wasser und Elektrolyte optimal aufgenommen werden, sagt Patrick.

Der Kater - das Unbekannte in mir

Der Kater, ein mögliche Befindlichkeitsstörung, die nach Alkoholgenuss am Tag danach auftreten kann, so definiert Patrick Schmitt das, was viele von uns fühlen, wenn sie nach einer durchzechten Nacht aufwachen.

Bekannt sind Symptome wie Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen. Wie es aber zu diesen Symptomen kommt, ist nicht klar, sagt der Biologiestudent. In der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Erklärungen für die Ursachen des Katers wie Flüssigkeitsverlust, Störungen des Elektrolythaushalts, Verunreinigungen im Getränk und Zwischenprodukte des Alkoholabbaus.

"Man weiß gar nicht so genau, welche Prozesse im Körper ablaufen, die zur Katerentstehung führen."
Patrick Schmitt, Biologiestudent

Der Kater ist keine Krankheit und es gibt auch keine fest definierten Katersymptome, sondern es gibt eine Ansammlung von Beschwerden, die man unter dem Synonym Kater zusammenfasst. 

"Der Kater ist eigentlich so eine Art Syndrom."
Patrick Schmitt, Biologiestudent

Gesichert ist, dass es verschiedene Faktoren gibt, die zu einem Kater führen, erklärt Patrick:

  • genetische Disposition
  • allgemeine körperliche Konstitution, die die Fähigkeit, Alkohol abzubauen, bestimmt
  • Tagesform
  • Begleitstoffe oder Kongenere wie Verunreinigungen im Getränk oder mit der Nahrung aufgenommene Stoffe, die einen negativen Einfluss auf die Alkoholverträglichkeit haben (Bitterstoffe aus der Grapefruit können den Alkoholabbau hemmen)
  • Rauchen

Kater ist keine Alkoholvergiftung

Anders als die Alkoholvergiftung ist der Kater nicht direkt auf den Alkoholgenuss zurückzuführen. Wer schon mal innerhalb kurzer Zeit sehr viel Alkohol zu sich genommen hat, musste sich wahrscheinlich übergeben. Das ist eine Reaktion auf die Alkoholintoxikation. Dann habt ihr in Relation zu eurer körperlichen Verfassung zu viel Alkohol aufgenommen. Beim Kater dagegen spüren wir die Wirkung der Stoffwechselprodukte, die beim Alkoholabbau entstehen. Der Kater tritt somit erst auf, wenn der Alkohol schon abgebaut ist, erklärt Patrick.

"Ein Kater tritt erst auf, wenn die Blutalkoholkonzentration schon bei Nullpromille liegt, wenn der Alkohol eigentlich schon abgebaut ist."
Patrick Schmitt erforscht den Kater

Um einem Kater zu entgehen, könnte zum Beispiel helfen, nicht wild durcheinander zu trinken oder den Alkohol mit anderen Getränken oder Stoffen zu mischen. Denn: "Je nach dem, mit was ich den Alkohol mische, ist das Risiko hoch, dass ich Stoffe in dieser Mischung drin habe, die den Kater verstärken können", erklärt Patrick.

"Grundsätzlich kann man, indem man das vermeidet, den Alkohol zu mischen, das Risiko reduzieren, einen Kater verstärkende Stoffe zu sich zu nehmen."
Patrick Schmitt erforscht den Kater

Allerdings gibt es auch eine Bandbreite von Stoffen und Substanzen, sagt Patrick, die einen positiven Effekt auf den Alkoholabbau haben. "Wenn ich dann das Glück habe, diese Stoffe in meiner Mischung zu haben, dann kann es auch gut sein, den Alkohol zu mischen."

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Ziel der Katerstudie ist, die Wirkung eines Anti-Kater-Mittels zu testen. Dabei versucht Patrick auch herauszufinden, welche molekularen Mechanismen ablaufen, wenn das Mittel wirkt. Welche Symptome wurden auf welche Weise gelindert? Dafür trennt Patrick die einzelnen Stoffwechselvorgänge voneinander und untersucht sie einzeln.

Böse Sauerstoffradikale 

Beispiel: Oxidativer Stress. Das ist ein zellulärer Stress, dem unsere Zellen durch Alkohol oder UV-Licht ausgesetzt werden. Dabei treten Sauerstoffradikale auf. Das sind reaktive Sauerstoffmoleküle, die bei körpereigenem Stress oder bei Abbaureaktionen entstehen. Diese Sauerstoffradikale können Biomoleküle oder schlimmstenfalls unser Erbgut schädigen.

Design der Kater-Studie

Ausgangssetting für die Studie ist die Grundlagenforschung. Dafür hat Patrick über 600 wissenschaftliche Publikationen herangezogen. Unter anderem wurden Naturstoffe untersucht, wie sie auf den Kater wirken. "Allerdings nur im Reagenzglas und nur an einer kleinen Probandenzahl", sagt Patrick. Der Biologiestudent hat ein Konzept entwickelt, wie gezielt ein Präparat entwickelt werden kann, das auf die bekannten Mechanismen wirkt, von denen man annimmt, dass sie zum Kater beitragen.

"Ein Katermittel, wie wir das getestet haben, ist kein Freifahrtschein für ungehemmten Alkoholkonsum."
Patrick über Alkoholkonsum

Das Anti-Kater-Mittel enthält Vitamine und Mineralstoffe, um den Vitamin- und Mineralstoffverlust vorzubeugen, der in Zusammenhang mit dem Alkoholgenuss auftreten kann. Außerdem ist das Mittel eine Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösung und wirkt als Rehydrationslösung. Sie soll dem Körper dabei helfen, Wasser besser aufzunehmen. Hinzukommen Pflanzenextrakte, die Antioxidantien enthalten, erklärt Patrick. Sie sollen die freien Sauerstoffradikale abfangen und die Zelle so vor Beschädigung schützen.

"Dann möchte man auf jeden Fall mal schauen, funktioniert das Ganze denn auch in der Praxis? Da war meine Idee eben, diese Studie durchzuführen."
Patrick Schmitt erforscht den Kater

Ein Teil der Daten sind inzwischen ausgewertet, sagt Patrick. Aber es gibt immer noch sehr viele Fragestellungen, die sich mit diesen Daten beantworten lassen. Erste Ergebnisse wird Patrick publizieren. Weitere Teile sollen folgen. Bei der Studie handelt es sich um die weltweit größte Studie zum Thema Kater, bestätigt Patrick.

"Ich würde mich nicht weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich sagen würde, da kann man noch zwei Jahre lang auswerten mit diesen Daten."
Patrick Schmitt über seine Kater-Studie

Eine Nebenbeobachtung, die nicht studienrelevant ist: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich vorher nicht gekannt und zum Beginn der Studie saßen sie sich meist schweigsam gegenüber. Doch nach einer gewissen Zeit hat Patrick festgestellt, haben sie sich wie gute alte Bekannte unterhalten. Er ist sich sicher, dass während der Studiendauer auch Freundschaften entstanden sind.

"Ich bin auch der felsenfesten Überzeugung, dass da einige Freundschaften entstanden sind bei der Studie."
Patrick über die Probanden seiner Kater-Studie

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