Für eine Taube mit guter Abstammung werden in Taiwan schon mal ein- bis zweihundert tausend Euro bezahlt. Für gute Zuchttauben ist noch mehr drin. Das lockt natürlich auch Kriminelle, die mit Taubenentführungen enorme Lösegeldsummen erpressen.

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Hans Columba* ist Broker, Taubenbroker. Er vermittelt Brieftauben nach Taiwan und hat dort eine Fernsehsendung, in der er Taubenzüchter aus Europa vorstellt - und ihre Tauben natürlich. Gerade ist er bei einem Züchter in Belgien, dessen Taube gerade ein Derby gewonnen hat. Und genau auf diese Spitzentaube hat Hans Columba ein Auge geworfen.

Zwischen 50.000 und 100.000 Euro würde ein Taubenzüchter in Taiwan für diesen Derbysieger hinblättern. Jemand der verrückt genug ist, sagt Hans Columba, vielleicht sogar das Doppelte. Und das obwohl es sich hierbei schon um eine ältere Taube handelt, mit der man zwar noch züchten, aber nicht mehr an Derbys teilnehmen kann. Denn in Taiwan werden Jungtauben bevorzugt, die nicht älter als sechs Monate sind.

​"In Taiwan, wenn die Saison vorbei ist als Jungtier, fliegen die nie wieder. Dann sind die wertlos für Flüge."
Hans Columba, Taubenbroker

Ist der Taubenzüchter ein Tierfreund, darf die Taube als Zuchttaube weiter leben. Wenn nicht, dann war’s das für die Taube, dann hat sie ihre Lebensberechtigung verloren, wie Hans Columba es ausdrückt.

Tausend Zuchttheorien

Wenn es um die Tauben des belgischen Züchters geht, gerät Hans Columba richtig ins Schwärmen. Was genau eine gute Taube ausmacht? So richtig kann er das auch nicht sagen. Eine Taube, die als erste zurück zum Schlag findet, beweist auf jeden Fall schon mal Intelligenz und eine athletische Anatomie. Daneben gibt es tausend verschiedene Theorien zu Flügelaufbau, Augenform, Muskulatur und Gleichgewicht. Sicher ist nur eins: Diese Tauben sind Spitzenathleten und werden auch so behandelt.

"Die werden jeden Tag gebadet, die werden versorgt wie ein Spitzensportler. Mit Aminosäuren, mit Vitaminen, mit Mineralien, die kriegen Kräuter."
Hans Columba ist begeistert vom belgischen Taubenzüchter

Nur ein Prozent kommt an

Das Geschäft mit den Brieftauben läuft gut in Europa. In Taiwan aber hat es gigantische Ausmaße. Bis zu zwei Millionen Euro kann ein einzelner Züchter mit einer guten Taube gewinnen. Um die beste Taube zu ermitteln, werden aber keine Landflüge gemacht. Die Tiere werden zu zehntausenden in Containern auf Schiffe verfrachtet. Weit draußen auf hoher See werden sie dann alle gleichzeitig aus ihren Käfigen gelassen. Hans Columba zeichnet ein beeindruckendes Bild dieses Startszenarios. Was er nicht so deutlich sagt: kaum eine Taube schafft den Weg zurück.

Die Tierschutzorganisation Peta zeigt die Schattenseite dieser Brieftaubenrennen: Viele Tauben fliegen orientierungslos so lange um das Schiff herum, bis sie entkräftet ins Wasser fallen. Denn die Vögel empfinden Stress, wenn sie kein Land sehen. Selbst bei stürmischem Wetter oder heftigem Regen werden die Tauben auf die Reise geschickt. Dabei können sich die Tauben nur schwer orientieren, wenn der Himmel stark bewölkt ist. Laut Peta findet nur ein Prozent der Tiere überhaupt zurück zum Schlag.

Aber warum um alles in der Welt zahlen Züchter in Taiwan hunderttausende Euro für eine Taube, wenn sie am Ende tot im Meer landet? Die Antwort ist Geld. Sehr viel Geld. So viel Geld, dass sich Verbrecherorganisationen bereits darauf spezialisiert haben, die wertvollen Tiere zu kidnappen - und Lösegeld zu erpressen.

*Name von der Redaktion geändert