Es hört einfach nicht auf, zu schneien. Im Süden Bayerns und in Teilen Österreichs sind mehrere Orte nicht erreichbar. Heute, am 14. Januar, ist das Lawinenrisiko in den Alpen besonders groß, sagen Wetterexperten. Wir haben mit Rudi Mair, dem Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, gesprochen.

Die Wetterlage ist angespannt: Allein im österreichischen Bundesland Salzburg sind – Stand jetzt – rund 17.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Schule fällt aus, Dächer müssen von den Schneemassen befreit werden. In den Höhenlagen soll es heute (14. Januar) neuen Schnee geben. Weiter unten dagegen taut es teilweise schon und regnet. Dazu kommt noch der Wind. Keine gute Mischung. Der Avalanche Forecast zeigt: In Teilen Österreichs gilt heute (14. Januar) die höchste Lawinenwarnstufe, in Deutschland die zweithöchste.

"Es ist eine fordernde Zeit. Derzeit gibt es niemanden, der nicht verstehen würde, dass die Lage angespannt ist."
Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol

Der Druck ist hoch, sagt Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Er arbeitet schon seit 30 Jahren in diesem Umfeld. Seine Erfahrung und sein "dickes Fell" würden ihm sehr helfen, in der momentanen Ausnahmesituation die Nerven zu behalten, hat er uns erzählt.

Tourismus und Sicherheit

Auf Grundlage der Informationen des Tiroler Lawinenwarndienstes entscheidet momentan in jedem Ort täglich aufs Neue eine eigene Lawinenkommission, welche Straßen zum Beispiel gesperrt werden. Mair ist sich des Spannungsfelds zwischen Sicherheit und touristischen Interessen bewusst. Der Lawinenwarndienst habe aber klar kommuniziert, wie angespannt die Lage aktuell sei, deshalb gebe es da momentan keine Unstimmigkeiten.

Lawinenwarnstufe: Ein komplexer Prozess

Bis die Experten eine Lawinenwarnstufe benennen, muss eine Fülle von Daten gesammelt und ausgewertet werden, erklärt Mair. 

  • Allein in Tirol gibt es 200 automatische Wetterstationen, die alle zehn Minuten Daten liefern
  • Informationen von Beobachtern, Skilehrern, Hüttenwirten und Bergführern
  • MitarbeiterInnen des Tiroler Lawinenwarndienstes gehen selbst raus und machen Schneedeckenuntersuchungen, Schneeprofile und Stabilitätstests

Aus allen diesen Daten entsteht dann eine "Lawinenmatrix". Aus dieser gehe zum einen die Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung hervor, zum anderen die Verbreitung der Gefahrenstellen. Aus der Matrix entstehe am Ende die tatsächliche Gefahrenstufe. 

Das Ganze sei also keine Bauchgefühl-Entscheidung oder gar ein "Würfeln", sondern "ein sehr komplexer naturwissenschaftlicher Prozess, hinter dem viel Know-how steckt", so Mair. Die Experten werden in ihren Analysen von Computern unterstützt. Trotzdem bleibe eine fundierte Lawinen-Prognose durch einen Menschen aus Fleisch und Blut das A und O.

"Ein guter Prognostiker ist nicht zu ersetzen, schlussendlich trifft immer noch ein Mensch die Entscheidung. Das kann ein Computer nicht ersetzen."
Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol

Mair geht davon aus, dass die Niederschläge in den nächsten Tagen nachlassen. Im Laufe der Woche sei also eine leichte Entspannung der angespannten Lage in Sicht.

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