Etwa 17 Millionen Menschen sind 2013 nicht zur Wahl gegangen - fast ein Drittel aller Wahlberechtigten waren also Nichtwähler.

Bundestagswahl 2017

Lange Zeit dachten Wahlforscher, dass Menschen, die nicht wählen, zufrieden und einverstanden sind mit ihrem Leben und der Politik in unserem Land. Dass sie in bräsig-zufriedener Gleichgültigkeit keine Kreuzchen auf ihrem Wahlzettel machen. Inzwischen wissen die Forscher es aber besser. Und auch die Nichtwähler, die unser Reporter Utz Dräger getroffen hat, nennen andere Gründe für ihre Politikverdrossenheit.

"Ich gehe nicht wählen. Weil, egal was ich da machen würde, es immer auf dasselbe hinaus laufen wird. Weil man eh nichts ändern kann."
Nichtwähler (Anfang 20) aus Berlin

Wahlforscher unterteilen die Nichtwähler in drei Gruppen:

  • Wähler, die eine Wahl aus Unzufriedenheit aussetzen oder einfach mal so. Die Menschen in dieser Gruppe interessieren sich im Großen und Ganzen für Politik und sind potenzielle Protestwähler. Diese Gruppe macht etwa die Hälfte aller Nichtwähler aus.
  • Erst- oder Jungwähler: Also Menschen, die noch nie gewählt haben und auch dieses Mal keine Stimme abgeben. Vielleicht auch deswegen, weil sie sich nicht wirklich für Politik interessieren und nicht wissen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Forscher sagen: Wählen muss man lernen - in der Schule oder im Elternhaus. Wer ein, zwei Mal wählt, der wählt dann auch häufiger. Und wenn nicht, dann nicht.
  • Die dritte Gruppe wird manchmal auch "Nimmerwähler" genannt. Sie haben noch nie gewählt und werden es vermutlich auch nie tun. Menschen dieser Gruppe sind sehr schwer zu erreichen.
"Wir wissen: Wählen ist ein sozialer Akt, der sehr stark vom persönlichen Umfeld bestimmt wird."
Robert Vehrkamp hat für die Bertelsmann Stiftung zu Nichtwählern geforscht

Menschen, die in prekären Verhältnissen leben und in einem eher bildungsfernen Umfeld, gehören also eher zur Gruppe der Nichtwähler. Besonders bei jungen Menschen ist die Gefahr hoch, dass sie von der Politik nicht erreicht werden und der Demokratie sozusagen verloren gehen.

Bei der Landtagswahl in NRW konnten CDU und FDP viele Nichtwähler mobilisieren. Allerdings waren das eher Menschen aus sozial besser gestellten Milieus.

"Im Moment haben wir das Problem, dass wir eine soziale Spaltung bei der Wahlbeteiligung haben."
Michael Kaeding, Wahlforscher an der Uni Duisburg-Essen

Unser Reporter Utz Dräger wollte von den Parteien wissen, was sie denn tun, um die Nichtwähler für sich zu gewinnen. Die meisten der Parteien mit Aussichten auf einen Einzug in den Bundestag haben ihm geantwortet, nur nicht die AfD. Die Antworten waren sehr ähnlich. Alle haben gesagt: Wir setzen verstärkt auf Social Media - Facebook, Youtube, Twitter und Co. Mit dieser Strategie wollen sie gezielt Jung- und Erstwähler ansprechen.

Die CSU veranstaltet außerdem eine "Jungwählertour" durch Bayern, die CDU hat ein begehbares Haus in Berlin Mitte aufgestellt. Das soll in unterschiedlichen begehbaren Räumen die politischen Visionen der Partei erlebbar machen. Und die Linke macht Straßenkonzerte. Alle haben auch gesagt, dass Sie auf den klassischen "Tür-zu-Tür-Wahlkampf" setzen.

Weniger Hürden für die Wahlbeteiligung

Es gibt aber auch viele andere Ideen, um mehr Menschen dazu zu bringen, zur Wahl zur gehen:

  • Manche fordern die Wahlpflicht wie in Belgien. Da gibt es bei allen Wahlen eine Beteiligung von rund 90 Prozent. 
  • Eine langfristig wirksame Idee könnte das Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre sein. Das steht zum Beispiel auch im Wahlprogramm der Grünen, der Linken und der SPD.
  • Sogenannte Wahl-Hemmnisse könnten abgebaut werden: Briefwahl könnte antragslos möglich werden; Wahlurnen könnten in Supermärkten stehen; die Wahlzeit könnte – wie in Italien - verlängert werden.