Sophie (22) und Justin (20) sind der Bundeswehr beigetreten. Sie haben Deutschland gelobt, treu zu dienen. Denn: Sie möchten ihr Land beschützen – auch wenn das bedeutet, einmal in einem Krieg zu kämpfen.

Aufgereiht in blau-weißen Uniformen versprechen sie, Deutschland treu zu dienen: 106 Soldat*innen der Marineoperationsschule in Bremerhaven. Eine von ihnen ist die 22-jährige Sophie Marucha.

Sophie möchte sich auf der Gorch Fock ausbilden lassen, dem Segelschulschiff der Marine, um später einmal Deutschland als Soldatin auf See zu dienen. Mit dem Dienst bei der Bundeswehr möchte sie Deutschland etwas zurückgeben.

Deutschland dienen

"Ich finde, dass dieses Land auch etwas für mich gemacht hat. Wir haben unter anderem so ein gutes Gesundheitssystem, das viele Länder nicht haben", sagt sie. Die 22-jährige Rekrutin hat sich auch wegen des Gemeinschaftsgefühls für die Bundeswehr entschieden, das sie im Alltag vermisst hat.

Rekrutin Sophie Marucha bei einer Gelöbnis- und Vereidigungsfeier der Bundeswehr.
© Deutschlandfunk Nova | Carolin Henkenberens
Sophie Marucha bei der Gelöbnis- und Vereidigungsfeier der Bundeswehr in Bremerhaven
"Ich möchte Deutschland etwas Gutes zurückgeben, beziehungsweise möchte ich Deutschland treu und tapfer dienen."
Sophie Marucha (22), Rekrutin der Bundeswehr

Dass sie als Seestreitkraft im Zweifelsfall auch in einem Krieg kämpfen muss, ist ihr bewusst. Sophie hat sich schon vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dafür entschieden, zur Marine zu gehen. Den Krieg nimmt sie aufmerksam wahr. Für sie ist aber weiterhin klar, dass sie ihr Land, wie sie sagt, auch in einem Kriegseinsatz schützen möchte.

Nach dem russischen Angriffskrieg

Nach dem russischen Angriffskrieg wollten sich offenbar viele der Bundeswehr anschließen und ähnlich wie Sophie aktiv werden. In dieser Zeit sind bei der Bundeswehr ungewöhnlich viele Anfragen für eine Karriereberatung eingegangen, so eine Sprecherin der Bundeswehr Köln. Mittlerweile sei die große Nachfrage wieder abgeflacht.

Ungefähr die Hälfte der 106 Rekrut*innen in Bremerhaven hat sich für eine bestimmte Zeit als Soldat*in verpflichtet. Der andere Teil probiert sich im freiwilligen Wehrdienst aus. Sie lernen also für 7 bis 23 Monate, was es bedeutet, Soldat*in zu sein und entscheiden sich im Anschluss für oder gegen eine Laufbahn bei der Bundeswehr.

Im Zweifelsfall in den Krieg ziehen

Auch Justin Göken hat sich für den freiwilligen Wehrdienst entschieden. Der 20-Jährige ist an der Nordsee aufgewachsen und damit eben auch mit Schiffen und der Marine. Für ihn war deshalb relativ schnell klar, sich bei der Bundeswehr ausbilden zu lassen, sagt er.

Über den Krieg in der Ukraine macht er sich Gedanken. Während seiner Zeit in der Marineschule wurde er mehrmals und eindringlich darauf hingewiesen, dass zu einer Zeit bei der Marine im Zweifelsfall auch der Kampfeinsatz gehöre, erzählt Justin. In diesem würde aber auch er "seinem Land treu dienen".

"Sollte ich irgendwo hingeschickt werden, diene ich meinem Land treu."
Justin Göken (20), hat sich für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr entschieden

Der Krieg in der Ukraine hat deutlich gemacht, dass es Menschen braucht, die sich für das Recht und die Freiheit einsetzen, sagt Kommandeur Jens Grimm. Als Leiter der Marineoperationsschule Bremerhaven und Soldat tauscht er sich mit den Rekrut*innen darüber aus, was es wirklich bedeutet, im Krieg zu kämpfen. Dann erzählt er über seine Einsätze im Kosovo-Krieg oder auf See.

"Mir werden Fragen gestellt wie: Wie haben Sie Ihren Einsatz erlebt? Wie waren Ihre Erfahrungen? Hatten Sie Erfahrungen mit Tod und Verwundung?"
Jens Grimm, Kommandeur und Leiter der Marineoperationsschule Bremerhaven

Sophie jedenfalls fühlt sich für ihren Weg bestärkt – auch von ihrer Familie und ihren Freunden. Sie möchte bei der Marine bleiben.