Julia Klöckner, stellvertretende Vorsitzende der Bundes-CDU will die Burka verbieten, weil sie Frauen herabwürdige. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von Burka sprechen? Die Islamwissenschaftlerin Agnes Imhof weiß Bescheid.

Burka...

Anstatt von Burka sollten wir lieber von Ganzkörperverschleierung sprechen, schlägt Agnes Imhof vor. Und zwar, weil die Burka ein Kleidungsstück ist, das vor allem Frauen in Afghanistan tragen - manchmal auch in Pakistan und auf dem indischen Subkontinent. Eine Burka ist meistens hellblau und hat auf Augenhöhe ein Gitter aus Rosshaar.

Abbaja und Nikab...

In Deutschland ist die Burka verhältnismäßig selten. Was wir
hier viel häufiger sehen, sei die saudische Variante der Gesamtkörperverschleierung, sagt Agnes Imhof im Interview. Damit meint sie die Abbaja: ein langer schwarzer Mantel mit einem Kopftuch und einem Gesichtsschleier - dem sogenannten Nikab.

Und der Tschador

Eine andere Variante der Ganzkörperverschleierung ist der Tschador: Ein Schleier, der über den Kopf und die Schultern reicht und halb vor das Gesicht gezogen werden kann. Entweder halten die Frauen diesen Schleier mit den Händen oder den Zähnen fest.

"Sonst wird muslimischen Frauen gesagt, sie sollen ein bisschen was von ihrem Überwurf herunterziehen, so dass sie ein keusches Auftreten haben. Vom Ganzkörperschleier ist da nicht die Rede."
Agnes Imhof, Islamwissenschaftlerin

Sexuelle Nichtverfügbarkeit

Die ursprüngliche Bedeutung des Schleiers, egal ob im Islam oder auch im Christentum, sei eigentlich sexuelle Nichtverfügbarkeit. Im Koran, erklärt Agnes Imhof, gibt es allerdings keine eindeutige Aussage zur Form der Verschleierung bei Frauen. "In Sure 33 ist die Rede davon, dass die Frauen des Propheten von eventuellen Bittstellern durch einen Vorhang abgesondert werden sollen, durch einen Hidschab, eine Verhüllung." Was damit gemeint ist, sei wiederum Auslegungssache.

Der Schleier - eine Tradition?

Genau das mache es auch so schwierig, zu beurteilen, ob muslimische Frauen durch das Tragen eines Schleier herabgewürdigt werden. In vielen Ländern, in denen der Schleier an der Tagesordnung ist, denken die Menschen gar nicht darüber nach, erzählt Agnes Imhof. "Man macht das, weil es so gemacht wird und weil es immer so gemacht wurde."