In manchen Ländern ist das Kiffen in der Schwangerschaft wohl gar nicht so ungewöhnlich. Aber: Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft gekifft haben, neigen zu mehr Angststörungen, höherer Aggressivität und zu mehr Hyperaktivität.

Bis zu 12 Prozent aller Frühgeburten in Australien könnten auf Cannabis-Konsum zurückzuführen sein, zu diesem Schluss kommt eine australische Studie. Offenbar hören viele Frauen mit dem Kiffen gar nicht auf wenn sie schwanger sind.

Neue Zahlen bestätigen, dass in den USA rund jede zehnte Schwangere ab und zu kifft – einige von ihnen wohl auch täglich. Grund dafür sind möglicherweise die Lockerungen beim Konsum in manchen Bundesstaaten in den USA. In manchen Ländern wird Cannabis auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Angststörungen oder Epilepsie.

"Für die Schwangere kann das tatsächlich auch Vorteile haben. Aber für die Babys ist es eben gefährlich. Das machen sich offenbar viele aber nicht klar."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Ein möglicher Grund dafür, dass Schwangere gelegentlich einen Joint rauchen, ist wahrscheinlich, dass es gegen manche Symptome hilft, die während einer Schwangerschaft auftreten können. Untersuchungen aus den USA haben ergeben, dass Frauen Cannabis zur Selbstmedikation gegen Schwangerschaftsübelkeit nutzen.

Eine kanadische Studie aus dem Jahr 2019 hat zudem gezeigt, dass Frauen, die Marihuana konsumierten hatten, seltener an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt sind oder eine Schwangerschaftsvergiftung hatten. Dass das die Gesundheit der Babys gefährdet, war vielen dieser Frauen anscheinend nicht bewusst.

Hyperaktiver, aggressiver und stärkere Angstzustände

In einer US-amerikanischen Langzeitstudie wurden 322 Mütter und ihre Kinder in New York City begleitet. Dabei haben die Forschenden untersucht, wie sich das Cannabis auf die Immunabwehr der Plazenta ausgewirkt hat. Außerdem haben die Autor*innen der Studie das Verhalten der Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren genauer beobachtet.

Das Ergebnis dieser Studie war, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Cannabis konsumiert hatten, stärkere Angstzustände und mehr Aggressionen zeigten. Außerdem neigten diese Kinder häufiger zu Hyperaktivität und hatten einen höheren Spiegel des Stresshormons Cortisol.

Wie das Cannabis auf Ungeborene wirkt

Die neue Studie zeigt jetzt, dass das THC (Tetrahydrocannabinol), der Wirkstoff, der im Cannabis enthalten ist, fast ohne Probleme durch die Plazentaschranke gelangt. Die Plazentaschranke ist dafür da, das Kind vor schädlichen Stoffen zu schützen, die sich im Blutkreislauf der Mutter befinden. Außerdem hat die Studie gezeigt, dass die gesamte Immunabwehr des Babys durch den Cannabis-Konsum geschwächt wird.

Die genaue Wirkung des THC: Es dockt im Gehirn an bestimmten Rezeptoren an, die wichtige Prozesse regulieren sollen, die zum Beispiel mit dem Gedächtnis, mit Schmerz oder mit Übelkeit zu tun haben.

Dadurch, dass fast 90 Prozent der Zellen sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren im Hirn haben, gerät durch den Cannabis-Konsum der Schwangeren einiges im Gehirn des Ungeborenen durcheinander.

Cannabis-Konsum stört die Vernetzung der Nervenzellen

Die Cannabinoid-Rezeptoren in unserem Denkorgan werden schon sehr früh angelegt: Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Vernetzung der Nervenzellen.

Bereits eine frühere Studie hatte gezeigt, was passiert, wenn die Entwicklung des Gehirns durch Cannabis gestört wird. Es kann dann nicht mehr lernen, wichtige von unwichtigen Signalen zu unterscheiden und speichert falsche Muster ab.

Bereits bei dieser älteren Studie wurde mithilfe von Kernspinuntersuchungen bei sechs- bis achtjährigen Kindern gezeigt, dass die Gehirnstruktur der Kinder deutlich verändert war, wenn die Mutter während der Schwangerschaft gekifft hatte.

Vor allem der präfrontale Kortex, der für Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle und das Arbeitsgedächtnis zuständig ist, zeigte Veränderungen.

Psychische Folgen durch den Cannabis-Konsum der Mutter

Die aktuelle US-amerikanische Langzeitstudie hat nun bestätigt, welche psychischen Folgen sich aus der Veränderung der Hirnstrukturen ergeben.

Das ist deswegen wichtig, weil die Wirkung von Cannabis auf Ungeborene bisher noch nicht ausführlich untersucht werden konnte, vor allem, weil Cannabis illegal war und Probandinnen oft nicht zugeben wollten, dass sie es konsumieren.