Die Corona-Krise trifft auch junge Menschen in Deutschland hart. Manche fühlen sich perspektivenlos und isolieren sich noch stärker. Die Caritas hat deshalb ihr Beratungsangebot erweitert.

Es sind die unterschiedlichsten Probleme, mit denen sich junge Menschen derzeit an die Online-Beratung der Caritas wenden: Überforderung, Druck, familiäre Probleme, Ängste in Bezug auf den Arbeitsplatz oder auch Depressionen. Über 2200 Neuregistierungen gab es dieses Jahr bei dem Beratungsangeboten der Caritas, über 15.000 Nachrichten wurden geschrieben.

Deshalb hat die Caritas neben ihrem Online-Beratungs-Angebot U25 noch ein weiteres ins Leben gerufen: das "Gemeinsam statt einsam"-Projekt, das ebenfalls als Online-Beratung stattfindet. Die Besonderheit der Angebote ist, dass die Beraterinnen und Berater ungefähr das gleiche Alter wie die Ratsuchenden haben und sich damit beispielsweise auch sprachlich besser annähern können, erklärt Christine Schweizer von der Caritas. Sie fungieren also mehr als Austauschpartner oder als Brieffreundinnen.

"Die Berater sind wie Austauschpartner. Man kann sich das ganze eher vorstellen wie eine Brieffreundschaft."
Christine Schweizer, Caritas

Dieselben Beraterinnen und Berater begleiten dabei die Ratsuchenden bei "Gemeinsam statt einsam" mit zehn Antworten per Mail, bei "U25" kann sich die Beratung sogar über Jahre ziehen.

Probleme nicht alleine verarbeiten müssen

Die konkrete Hilfe der Beratung sieht Christine Schweizer darin, dass die Ratsuchenden mit den Gleichaltrigen eine Beziehung aufbauen und ihre Sorgen teilen können. Zudem sei die Hemmschwelle per Mail deutlich geringer, als wenn eine junge Person bei einer Beratung anrufen und einen Termin ausmachen müsse, sagt Christine Schweizer.

"In dem Moment, in dem man jemanden hat, der einfach für einen da ist, ist es einfach schon eine ungemeine Entlastung."
Christine Schweizer, Caritas

Um eine gute Beratung zu gewährleisten, erhalten die sogenannten Peer-Beraterinnen und Berater eine Ausbildung und eine Betreuung durch Fachkräfte, mit denen sie beispielsweise bestimmte Fälle nochmals durchgehen.

Beratungsmöglichkeiten derzeit oft ausgeschöpft

Da sich die Beraterinnen und Berater über längere Zeiträume mit ihren zugeteilten Ratsuchenden beschäftigen, sind irgendwann die Kapazitäten einfach ausgeschöpft, sagt Christine Schweizer. Wie viele Plätze noch offen sind, wird durch ein Ampelsystem angezeigt.

Auch wenn die Suizidrate rein statistisch gesehen im Frühjahr deutlich höher ist als im Winter, gibt es vor allem aufgrund der Corona-Pandemie derzeit mehr als doppelt so viele unbeantwortete als beantwortete Hilfegesuche von jungen Menschen.

"Jetzt gerade durch Corona macht uns das natürlich Sorgen, dass wir, wenn ein Mensch in einer Notlage ist, nicht für alle da sein können."
Christine Schweizer, Caritas

Um so vielen jungen Menschen wie möglich helfen zu können, verweist die Caritas deshalb auch oft an andere Beratungsangebote wie die der Telefonseelsorge oder der Online-Beratung der KJSH-Stiftung Jugend-Notmail.