Für Kinder von Nicht-Akademikern gestaltet sich der Zugang zu einem Studium immer noch deutlich schwieriger, als für Kinder, deren Eltern selbst studiert haben.

Pioniere, nennt Wolf Dermann diejenigen, die in ihren Familien die ersten sind, die studieren. Wolf Dermann ist einer der Mitbegründer von Arbeiterkind.de. Eine gemeinnützigen Initiative, die mit 800 ehrenamtlichen Mitarbeitenden, Kindern aus Arbeiterhaushalten hilft, den Weg in die Hochschule zu meistern.

Der Entschluss an einer Uni zu studieren, bringt viele Fragen und Unsicherheiten mit sich. Zunächst muss das Finanzielle geregelt werden. Wenn die Eltern nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um ihr Kind während des Studium zu unterstützen, muss der oder die Abiturient*in nach anderen Wegen suchen, um das Geld aufzubringen.

Kredite oder andere Fördermöglichkeiten müssen recherchiert werden. Und schon steht auch die Frage im Raum, ob man nach dem Studium genug verdienen wird, um Kredite wieder zurückzahlen zu können.

"Das hat natürlich auch zu Unsicherheiten, auch auf Seiten meiner Eltern, geführt. Aber ich hab mir das gut überlegt, hab mir das auch durchgerechnet, ob das überhaupt geht."
Michaela ist die erste in ihrer Familie, die studiert

Michaela arbeitet inzwischen Vollzeit bei der Bundeswehr und studiert nebenher Medien- und Kommunikationsmanagement. Damit hat sie das Problem der Finanzierung für sich selbst gelöst.

Kinder aus einem Arbeiterhaushalt studieren seltener

Michaelas Eltern, die beide nach einen Hauptschulabschluss eine Ausbildung absolviert haben, waren durch die Entscheidung ihrer Tochter zunächst verunsichert.

Sie hätten es lieber gehabt, wenn ihre Tochter bei ihnen im Dorf geblieben wäre. Viele Eltern wünschen sich auch, dass die Kinder eine Ausbildung machen, damit sie bald ihr eigenes Geld verdienen können. Das war jedoch keine Option für Michaela. Viele derjenigen, die gerne studieren möchten, wagen es nicht, die Richtung einzuschlagen, die Michaela gewählt hat.

"Ich will einen Lebenstandard – ich brauch kein dickes Auto, ich brauch da keinen großen Reichtum – der eben für so kleine Annehmlichkeiten, wie so einen Urlaub im Alltag reicht."
Michael arbeitet und studiert bei der Bundeswehr

Die Zugangsvoraussetzungen fürs Studium sind bei Arbeiterkindern und denen aus Akademiker-Familien immer noch nicht gleich. Im aktuellen Hochschulbildungsreport steht beispielsweise, dass weniger als 30 Prozent der Schulabgänger, die aus einem bildungsfernen Haushalt kommen, studieren. Bei Kindern von Akademikern sind es fast 80 Prozent.

Hochschulstudium: Neuer sozialer Kontext kann verunsichern

Und es sind nicht nur organisatorische Fragen, wie das Studium finanziert werden soll oder welche Kurse man am besten belegen sollte, auch im Umgang mit Kommilitonen und Professoren können die Absolventen unsicher sein. Beispielsweise in der Frage, ob und mit welchem Titel man den Dozenten anspricht.

Studierende aus Arbeiterhaushalten würden daher gelegentlich auch hinterfragen, ob sie an der Uni richtig seien, sagt Wolf Dermann. Auch bei solchen Fragen unterstützen die ehrenamtlichen Mitarbeitenden und er mit der Initiative Arbeiterkind.de die jungen Erwachsenen.