Unser Korrespondent Steffen Wurzel lebt in Schanghai und kann sich anhand der Dichte an Überwachungskameras ausmalen, wie sehr die Menschen dort überwacht werden.

Wenn Steffen Wurzel die Wohnung verlässt - er wohnt im neunten Stock - dann begegnen ihm die ersten Kameras im Aufzug. Es folgen Überwachungskameras im Hausflur und auf der Straße geht es weiter. Er sagt, die Kameras im Haus gehören zwar nicht direkt den chinesischen Behörden. Das Problem aber sei, dass es in China keinen wirklichen Privatbesitz gibt und demnach auch der Staat irgendwie Zugang zu den vermeintlich "privaten" Aufnahmen habe.

"Es ist kein Witz: An jeder Straßenecke hängt hier eine Überwachungskamera."
Steffen Wurzel, Chinakorrespondent

Unser Korrespondent hat keinen Zweifel daran, dass seine biometrischen Daten irgendwo bei den chinesischen Behörden gespeichert sind - schon allein deswegen, weil er ein Journalist aus dem Ausland ist. Außerdem sei bekannt, dass die chinesische Regierung den Plan hat, von jedem Menschen, der sich in China aufhält, die biometrischen Daten zu speichern.  

"Dass die Leute in den Großstädten - wie Peking oder Schanghai - mit ihren Daten in irgendwelchen Datenbanken auftauchen, davon muss man inzwischen ausgehen."
Steffen Wurzel, Chinakorrespondent

Die Technik ist inzwischen auch so weit ausgereift, dass die Daten zu einer Person dann binnen kurzer Zeit auf einem Bildschirm auftauchen. Während die Überwachung in den Städten sehr engmaschig ist, glaubt Steffen Wurzel allerdings, dass es schwieriger wird, wenn man an die Bevölkerung auf dem Land denkt. Ein tibetischer Mönch in den Bergen wird seiner Meinung nach schwerer zu erfassen sein, als die allgemeine Bevölkerung in den großen Städten. 

Er selber geht davon aus, dass er in seiner Wohnung noch nicht überwacht wird. Aber die Hand würde er dafür auch nicht ins Feuer legen.

"Das Bewusstsein der Bevölkerung, dass man Dinge, die die Regierung entscheidet, hinterfragt - das gibt es hier einfach nicht."
Steffen Wurzel, Chinakorrespondent

Einen großen Unterschied im Umgang mit den Überwachungstechniken sieht er auch darin, dass - im Gegensatz zu Deutschland - nie öffentlich darüber diskutiert wird.

Öffentlich werden hingegen manchmal Geschichten, wenn zum Beispiel Touristen etwas verloren haben, was dann - dank der Überwachungskameras - innerhalb kurzer Zeit wiedergefunden wird. Oder vor Kurzem gab es auch die Nachricht, dass mithilfe der Gesichtserkennungsbrille sieben Menschen an einem großen Bahnhof verhaftet werden konnten. 

"Für mich als europäisch geprägten Staatsbürger ist es extrem gruselig."
Steffen Wurzel, Chinakorrespondent

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