Mehr ist möglich, so der Climate Action Tracker, eine Analyse von Wissenschaftlern. Die EU könne mehr CO2-Emissionen reduzieren, doch die bleibt bei ihren Zielen. Der Klimagipfel in Kattowitz wird daran nichts ändern, sagt Georg Ehring aus der Dlf-Umweltredaktion. Solche Erwartungen könne der Gipfel auch gar nicht erfüllen.

Auf der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz wurde der Climate Action Tracker vorgestellt. Es ist eine Analyse von drei Wissenschaftsinstitutionen, die sich zusammengeschlossen haben. Sie verfolgen, wie viel CO2-Emissionen wo ausgestoßen werden. Damit wollen sie überprüfen, ob die Bemühungen ausreichen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Auf der Analyse basierend, geben die Personen hinter dem "Climate Action Tracker" auch Empfehlungen ab.

Climate Action Tracker: Die EU könnte mehr tun

Der Zusammenschluss hat sich die verschiedenen Länder in der Europäischen Union (EU) angeschaut. Und die könnten mehr machen, wenn sie sich an den besten Staaten in Sachen Klimaschutz orientierten würden, so Georg Ehring aus der Dlf-Umweltredaktion. "Die EU-Länder könnten bis 2030 die Emissionen um mehr als die Hälfte senken." Die EU hat sich aber das Ziel von minus 40 Prozent gesetzt.

"Die Empfehlungen des 'Climate Action Tracker ' decken sich gar nicht mit den Plänen der Europäischen Union."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Um mehr zu erreichen, so der Climate Action Tracker, müssten die EU-Länder schneller die Stromproduktion von der Kohle auf erneuerbare Energien umstellen. Dafür müssten die Länder die Kohle bis 2030 als Energieträger komplett abschaffen. Arbeitsplätze würden dabei nicht verloren gehen: Es würden sogar 350.000 neue Jobs entstehen, laut Climate Action Tracker.

Weg von der Kohle, weniger Verkehr, mehr Gebäudesanierung

Ein anderer Aspekt ist die Gebäudesanierung. Auch hier ließen sich CO2-Emissionen einsparen. Zurzeit werden ein Prozent der Gebäude in der EU pro Jahr energetisch saniert. Eine Quote von fünf Prozent sei machbar. Auch im Verkehr können die CO2-Emissionen reduziert werden: Bis 2035 soll Schluss sein mit neuen Benzin- oder Dieselautos, empfehlen die Wissenschaftler hinter dem Clima Action Tracker. Die Lösung seien mehr Elektro-Autos sowie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Doch die Europäische Union bleibt insgesamt hinter den Empfehlungen zurück: "Sie ist sehr viel zurückhaltender", sagt Georg Ehring. Es gab deshalb auch eine Debatte in der Europäischen Union. Doch die Politiker hielten an den gesteckten Zielen fest.

Was bringt der Klimagipfel in Kattowitz

Die EU sitzt bei der Klimakonferenz mit am Tisch. Doch der Gipfel wird keine Trendwende bringen, so Georg Ehring.

"Von dem Gipfel eine Wende zu erwarten, das ist eine Erwartung, die der Gipfel gar nicht erfüllen kann."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Dafür sei der Gipfel gar nicht in der Lage. "Der Gipfel hat die Aufgabe, eine Art Regelbuch für den Klimaschutz zu schreiben. Eine Art Gebrauchsanweisung für das Abkommen von Paris", sagt Georg Ehring. Das könne vielleicht gelingen.

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