Coca Cola hat in Griechenland ein Imageproblem. Das soll jetzt mit einem PR-Recyclingprogramm behoben werden. Aber ist eine solche Zero-Waste-Strategie nicht ein bisschen zu ehrgeizig?

Die Griechen sind auf Coca Cola nicht gut zu sprechen. Mitten in der Wirtschaftskrise im Jahr 2012 hat der Konzern viele Produktionsstätten geschlossen - die in Thessaloniki zum Beispiel wurde nach Bulgarien verlagert. 200 Menschen verloren ihren Job. 

Die Gewerkschaft hat daraufhin recht erfolgreich zum Boykott aufgerufen - viele Griechen sind auf andere Produkte umgestiegen. Coca Cola hat auf diesen Protest mit mehreren Maßnahmen reagiert: Einerseits hat der Konzern 20 ehemalige Mitarbeiter wegen Rufmord auf eine Zahlung von einer Million Euro verklagt. Andererseits wurden Imagekampagnen gestartet. Dazu gehört jetzt auch die Zero-Waste-Kampagne. 

Mit einem großen Engagement für Recycling will sich Coca Cola bei den Griechen wieder beliebt machen. Das ist einerseits PR - andererseits in Griechenland aber auch bitter nötig. Die Recyclingquote liegt nämlich bei gerade einmal 17 Prozent. In Deutschland und Schweden werden 50 bis 60 Prozent des Mülls recycelt.  

Cola will die ganze Welt vom Müll befreien

Da ist also Luft nach oben und Platz für Ideen - wie zum Beispiel Coca Colas Idee, aus altem Plastik Möbel zu machen. An der Küste Thessalonikis hat das Unternehmen etliche Sessel aus zusammengepresstem Plastik hingestellt - als Teil der Zero-Waste-Strategie. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Marion Sendker sagt, dabei handle es sich um ein neues Umweltschutzprogramm von Coca Cola, das es europaweit bisher nur in Thessaloniki gibt, mit dem Coca Cola aber eines Tages die ganze Welt vom Müll befreien will. Marion Sendker fragt, ob das nicht ein bisschen ehrgeizig ist? Coca Cola antwortet: 

"Das zu erreichen, ist Teil einer größeren Strategie. Wir wollen gewissenhaft wachsen, und zwar nicht auf dem einfachen, sondern auf dem richtigen Weg."
Coca Cola in einer schriftlichen Mitteilung zum Zero-Waste-Programm in Griechenland

Der richtige Weg würde in diesem Fall bedeuten, dass Coca Cola tonnenweise Plastik recyceln muss. Wie viel das Unternehmen pro Jahr produziert, sagt es selbst nicht - Greenpeace schätzt, dass es weltweit 110 Milliarden Plastikflaschen sind; das wären 14 Flaschen pro Mensch auf der Welt. 

Unterstützung bekommt Coca Cola von Thessalonikis Bürgermeister Giannis Boutaris. Er will die Recyclingquote seiner Stadt weiter in die Höhe treiben. Thessaloniki sei derzeit mit 20 Prozent schon Griechenlands Nummer Eins, was die Verwertung des Mülls angeht, er wolle aber weiter wachsen. Trotzdem weiß er, mit wem er da zusammenarbeitet.

"Der Zweck eines Unternehmens ist doch nicht die Wohlfahrt. Sondern es geht natürlich um Geld."
Giannis Boutaris, Bürgermeister von Thessaloniki über Coca Cola

Diesen Vorwurf wehrt die PR-Abteilung von Coca Cola ab, in dem sie uns schreibt, dass es bei Zero Waste nicht darum gehe, kommerziellen Profit zu erzielen. Vielmehr gehe es um soziale und auf die Umwelt bezogene Gewinne. Diese Antwort hält der wissenschaftliche Berater der Boykott-Gruppe, Omiros Tachmazidis für fadenscheinig. 

"Wenn sie mich persönlich fragen: Coca Cola unterscheidet sich nicht vom Teufel. Auch im Umweltschutz."
Omiros Tachmazidis, wissenschaftlicher Berater der Coca-Cola-Boykott-Gruppe

Er hofft weiterhin, dass sich in Griechenland viele an der Protestaktion beteiligen und keine Coca-Cola-Produkte kaufen und beispielsweise auf Green Cola umsteigen. Da lag der Marktanteil zu Beginn des Protestes seiner Aussage nach bei 0,5 und nach vier Monaten schon bei 4,5 Prozent - und sei seither immer weiter gestiegen. 

Wenn ihr euch für Zero Waste - also ein Leben ohne Müll - interessiert, dann schaut euch unsere Serie "Ohne Müll - Kerstin will es schaffen" an. 

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