Wenn wir nicht alle bald im Plastikmüll ersticken wollen, muss etwas passieren. Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft scheint das langsam zu erkennen: Zahlreiche Unternehmen haben sich mit weiteren Institutionen und Organisationen zusammengetan und das "New Plastics Economy Global Commitment" unterschrieben. 

Plastikverpackungen sind ein riesiges Problem: Laut Institut der Deutschen Wirtschaft häuft jeder Deutsche pro Jahr 37 Kilo Plastikmüll an – nur aus Verpackungen. Damit liegt Deutschland 6 Kilo über dem EU-Durchschnitt.
Die Europäische Union hat dem Plastikmüll den Kampf angesagt und will Wattestäbchen, Plastikgeschirr und Plastikstrohhalme verbieten. EU-Parlament, EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten haben bereits zugestimmt, am 6. November beginnen die finalen Verhandlungen.

Vereint gegen den Plastikmüll

Auch die Unternehmen haben scheinbar begriffen, dass endlich etwas gegen Plastikmüll getan werden muss und machen deshalb jetzt beim "New Plastics Economy Global Commitment" mit, darunter große Namen wie Danone, Johnson and Johnson, L’Oreal, Pepsi, Coca-Cola, H&M und Unilever. 

Das Ganze wurde entwickelt von der Ellen MacArthur Foundation, einer Wohltätigkeitsorganisation aus Großbritannien. Sie hat dafür mit den Vereinten Nationen zusammengearbeitet.

"Die Firmen, die unterschrieben haben, produzieren zusammen 20 Prozent der Plastikverpackungen weltweit."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Insgesamt hat die weltweite Initiative 290 Mitglieder aus der Wirtschaft, aber auch Wissenschaft, Finanzbranche, öffentliche Institutionen oder gemeinnützige Organisationen sind mit an Bord. Auch viele Verpackungshersteller, Plastikproduzenten und Recyclingunternehmen haben die Vereinbarung unterschrieben. 

Die Firmen, die beim "New Plastics Economy Global Commitment" mitmachen, produzieren ein Fünftel des globalen Plastikmülls.

Eliminate – innovate – circulate

Als großes Ziel haben sich die Unterzeichner drei große Ziele gesetzt: Weglassen – neu erfinden – in den Kreislauf bringen.

  • Weglassen bedeutet: Wenn ein Produkt nicht unbedingt eine Kunststoffverpackung braucht – so wie eine Banane oder eine Orange – dann wird sie weggelassen.
  • Innovation: Bis 2025 sollen hundert Prozent der Plastikverpackungen wiederverwendet, recycelt oder kompostiert werden können – also zum Beispiel eine PET-Flasche, aus der dann Textilfasern gemacht werden.
  • Circulate: Einmal produziertes Plastik soll in einen Kreislauf kommen, also direkt wiederverwendet oder recycelt und dann zu neuen Produkten verarbeitet werden.

Diese Ziele zu formulieren, klingt erst mal gut. Die ganz konkreten Zusagen haben die Konzerne aber individuell gemacht. Sie unterscheiden sich dann auch je nach Bereich und Region.

Fortschritte sollen offengelegt werden

Alle Unternehmen haben unterschrieben, jedes Jahr öffentlich darzulegen, wie es bei ihnen um die Anforderungen aus dem Vertrag steht. Ob das am Ende ein großer Coup oder nur Show ist, muss sich erst noch zeigen, sagt Anna Kohn von Deutschlandfunk Nova.

Es sind zwar sehr viele Unterzeichner, doch die Unternehmen, die die restlichen 80 Prozent Plastikverpackungen produzieren, fehlen noch. Auch die müssten irgendwann mitziehen. 

"Kompostierbare" Tüten sind keine Lösung

Auch bei den biologisch abbaubaren Kunststoffen gibt es noch viele Probleme. Für das Umweltbundesamt sind sie keine Lösung. Und auch die Deutsche Umwelthilfe mahnt: Die sogenannten "kompostierbaren" Tüten zersetzen sich nicht so schnell wie der normale Bioabfall.

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