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Die Corona-Datenspende-App vom Robert-Koch-Institut sollte noch vor der Corona-Warn-App helfen, das Infektionsgeschehen abzubilden. Fast ein Jahr später spenden die Nutzerinnen und Nutzer weiter, aber auch die Zweifel an der Aussagekraft der Daten bestehen noch. Eine Zwischenbilanz.

Im Pool der Apps, die der Eindämmung des Coronavirus dienen sollen, setzen manche Tools bei den Infektionsketten an. Anderen wiederum geht es darum, das Virus viel eher aufzuhalten: Sie möchten Frühwarnsysteme sein, wie die Corona-Datenspende-App vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Mehr als eine halbe Million Datenspender

Seit fast einem Jahr spenden mehr als 537.000 Nutzerinnen und Nutzer ihre Gesundheitsdaten aus Fitnessarmbändern und Smartwatches an das RKI. Seitdem untersucht die App gespendeten Daten wie die Herzfrequenz, den Blutdruck oder die Körpertemperatur auf Anzeichen typischer Symptome einer Corona-Infektion. Ein erhöhter Ruhepuls und wenige Schritte zum Beispiel könnten ein Hinweis für Fieber sein – also eines der typischen Symptome der Covid-19-Erkrankung.

Laut der Forschenden helfen Daten wie diese, um die aktuelle Verbreitung des Virus besser einschätzen zu können. Die Idee ist zum Beispiel, auch Corona-Hotspots so zu vermeiden. Dafür sind in den vergangen Monaten mehr als 170 Millionen Datensätze zusammengekommen.

Fitnessdaten tracken scheint ungenau

Tatsächlich fließen die Zahlen aus der App auch in die wöchentlichen Lageberichte zum Infektionsgeschehen des RKI ein. Wobei der Berichte ohne die App-Daten wahrscheinlich nicht weniger aussagekräftig wäre, vermutet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

Auf dem Blog zur App veröffentlicht das RKI regelmäßig die Analysen der Daten. Die dort abgebildete Fieberkurve zum Beispiel kommt dem aktuellen Infektionsgeschehen auch relativ gut nahe, findet der Netzreporter.

Zweifel an Aussagekraft der Daten

Allerdings kamen in den vergangenen Monaten Zweifel auf, ob die gespendeten Daten aus den Fitnesstrackern auch zuverlässig seien. Im Sommer 2020 zum Beispiel ist die Fieberkurve aufgrund der Daten ausgeschlagen. Grund hierfür waren aber weniger steigende Infektionen mit dem Coronavirus. Die Menschen haben sich wegen des Sommerwetters einfach mehr im Freien bewegt und hatten deshalb einen höheren Puls.

Auch im Januar diesen Jahres ist die Fieberkurve auf Basis der App-Daten angestiegen, obwohl die Fallzahlen gesunken sind. Das macht die bisherigen Grenzen der Technologie hinter der App sichtbar, findet Andreas Noll.

"Ein Gamechanger war die App in der Pandemie sicher nicht. Eher ein nettes Spielzeug für die Forschung mit einigen durchaus interessanten Ergebnissen und Algorithmus-Weiterentwicklungen, die vielleicht in der Zukunft noch nützlich sein könnten."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova