Der Astra-Zeneca-Impfstoff hat immer noch ein Imageproblem. Dabei zeigen Daten aus anderen Ländern: Der Impfstoff ist hochwirksam und führt zu üblichen Nebenwirkungen. Eine Covid-19-Erkrankung ist viel gefährlicher.

Entscheiden sich junge Menschen einmal für die Coronavirus-Impfung wird ihnen vor allem der Impfstoff von Astra-Zeneca angeboten: Ein Impfstoff, den manche in der letzten Zeit oft infrage gestellt haben. Dabei lassen sich viele der Befürchtungen bei genauerem Hinsehen entkräften.

Nebenwirkungen zeigt: Impfstoff macht, was er soll

Als eine Klinkabteilung etwa für einen Tag schließen musste, nachdem sich die Mitarbeitenden mit dem Vakzine von Astra-Zenca haben impfen lassen, kam die Frage auf, wie gefährlich die Impfung ist.

Klar ist: Die Coronavirus-Impfung ist heftiger als eine Impfung gegen Grippe, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Volkart Wildermuth. Treten danach Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, ein Gefühl von Erschöpfung oder Fieber auf, zeigt das allerdings, dass die Impfung wirkt: Sie regt das Immunsystem an. Vielmehr lassen gewohnte Nebenwirkungen wie diese nach ungefähr zwei Tagen wieder nach.

Viele falsche Annahmen

Zudem gab es Bericht über Menschen, die etwa zeitgleich mit der Astra-Zeneca-Impfung gestorben sind. Die Erklärung: Diese Impfungen wurden inzwischen Millionen von Menschen verabreicht, viele davon älter als 80 Jahre - da ist es selbstverständlich, dass kurz nach der Impfung auch welche sterben. Hinweise darauf, dass es nach einer Coronavirus-Impfung vermehrt zu Todesfällen kommt, gibt es bislang keine. Dazu veröffentlicht das Paul-Ehrlich-Institut regelmäßig Sicherheitsberichte.

Auch Unfruchtbarkeit stand im Raum oder die Annahme, die Astra-Zeneca-Impfung könne das Erbgut des eigenen Körper verändern. Für beides fehlen die Anhaltspunkte beziehungsweise lösen sich die Spekulationen auf, wenn man sie durchleuchtet.

Schützt davor, schwer zu erkranken

Nach bisherigen Erkenntnissen vor allem aus Ländern, in denen der Astra-Zeneca-Impfstoff schon viel verfimpft wurde, ist der Impfstoff hochwirksam und schützt davor, schwer an Covid-19 zu erkranken oder sogar zu sterben.

Damit kann eine Impfung mit dem Vakzine auch verhindern, dass Krankenhäuser durch Covid-19-Erkrankte überlastet werden. Das zeigt auch eine aktuelle Studie der University of Edinburgh zur Impfkampagne in Schottland. Schon die erste Dosis des Astra-Zeneca-Impfstoffs konnte 94 Prozent der Krankenhausaufenthalte abwenden. Das Vakzine lieferte damit sogar ein besseres Ergebnis als der Impfstoff von Biontech.

Spätfolgen nach Corona möglich

Und das Risiko an Covid-19 zu erkranken, ist auch bei jungen, gesunden Menschen da – auch wenn viele keinen schweren Verlauf haben und es weniger Todesfälle gibt. In Deutschland sind bislang 158 Erwachsene zwischen 20 und 39 Jahren an oder mit dem Coronavirus gestorben. Zum Vergleich: Im Alter von 80 bis 89 Jahre liegt die Zahl der Todesfälle bei knapp 33.000 (Stand: 02.03.2021).

"Es gibt ein relevantes Risiko nicht nur für Ältere. Und dabei muss eines klar sein: die allermeisten Leute, die nicht geimpft sind, werden sich mit Sars-CoV-2 anstecken, einfach weil eine Gruppenimmunität noch lange nicht in Sicht ist."
Volkert Wildermuth, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Junge Menschen haben also deutlich weniger zu befürchten. Gleichzeitig heißt es aus der Intensivmedizin – etwa aus Israel und auch Deutschland – es würden vermehrt jüngere Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen geben, seit die alten Menschen geimpft sind.

Nicht zu vergessen sind auch Spätfolgen, die auch nach einem milden Verlauf von Covid-19 auftreten können. "Long Covid" betrifft gerade viele junge Menschen.

Wenn Impfdosen übrig bleiben

Impfen oder nicht impfen? Das muss letztendlich jede und jeder selbst entscheiden. In Impfzentren kommt es offenbar immer wieder vor, dass Impfwillige ihren Termin kurzfristig absagen. Das heißt: Schon angebrochene Impfdosen bleiben liegen.

Damit die geöffneten Impfdosen möglichst schnell verimpft werden und nicht weggeschmissen werden muss, gibt es die "Impfbrücke". Mit der Software der Kölner Firma Lit Labs arbeitet die Stadt Duisburg zum Beispiel schon.

Timo Nicolas, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
"Wenn am Ende des Tages zum Beispiel zehn Dosen übrig sind, dann wählt die Software zufällig für jede Dose drei Nummern aus und verschickt an jede Nummer eine SMS. Wer zuerst Antwortet, bekommt den Termin."

Die Idee: Die Software ist mit einer Datenbank verknüpft, in der Telefonnummern von Menschen hinterlegt sind, die sich spontan impfen lassen würden. Sind am Ende eines Tages Impfdosen übrige, wählt das Programm für jede Dose drei Nummern nach dem Zufallsprinzip aus und verschickt an diese Nummern eine SMS.

Die Person, die als Erstes antwortet, bekommt den Termin und muss innerhalb von einer Stunde im Impfzentrum Duisburg sein. Die Impfreihenfolge wird dabei eingehalten. Eine SMS erhalten also nur Menschen aus der aktuellen Prioritätsgruppe.