Wenn sich eine Person in Deutschland mit Sars-CoV-2 ansteckt, müssen so schnell wie möglich alle Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden. Dafür gibt es Menschen wie Judith Fürstenberg. Sie ist Corona-Tracerin beim Gesundheitsamt Saarbrücken.

Eigentlich wollte Judith Fürstenberg derzeit im saarländischen Homburg über ihrer Doktorarbeit sitzen – dann kam das neuartige Coronavirus. Einfach nur zuhause sitzen und nichts tun wollte die Medizinstudentin nicht, also rief sie beim Gesundheitsamt an und fragte, ob sie dort Unterstützung bräuchten. Zwei Tage später hatte die 25-jährige Studentin einen Job.

Seitdem telefoniert Judith täglich mit Corona-Infizierten und denen, die potentiell infiziert sein könnten. Schnell hat sie gemerkt, dass es einiges an Feingefühl bei den Anrufen braucht, weil viele Menschen mit der Situation überfordert sind.

Auf der Suche nach Infizierten: Telefonieren mit Feingefühl

Wenn Judith ihren Arbeitstag beginnt, holt sie sich die Akte einer infizierten Person, die meistens bereits vom Gesundheitsamt knapp verständigt wurde, dass sie infiziert ist und sich über mögliche Kontakte Gedanken machen sollte.

Für ihre Anrufe nimmt sich Judith etwas mehr Zeit, um zu fragen, wie es den Personen geht und wie sie sich gesundheitlich fühlen. Viele Menschen seien von der Situation überrascht und auch hilflos.

"Ich frage erstmal nach, wie es der Person geht. Weil die meisten Menschen sind dann erstmal ziemlich überrascht und ein bisschen hilflos, wie man mit so einer Situation umgeht."
Judith Fürstenberg, Corona-Tracerin beim Gesundheitsamt Saarbrücken

Dann erklärt sie den Betroffenen die Quarantänebestimmungen und bespricht die möglichen Kontakte, mit der sich die infizierte Person in letzter Zeit getroffen hat. Dabei können sich die Infizierten meistens nicht sofort an alle Kontaktpersonen erinnern. Mit der Zeit hat Judith Fürstenberg aber einige Tricks entwickelt, um den Gesprächspartnern Erinnerungshilfen zu geben.

Kontakte in Gruppen aufgliedern hilft beim Nachforschen

Es geht beispielsweise viel darum, gezielte und konkrete Fragen zu stellen wie: "Wer hat sie denn zum Arzt gefahren?" Außerdem helfe es, die Kontakte in unterschiedliche Gruppen wie Arbeit, Zuhause, Freunde oder Krankenhaus einzuteilen, um sich so besser an alles erinnern zu können.

Lockerungen: Die Kontaktlisten werden wieder länger

Gerade in den vergangenen Tagen hat Judith gemerkt, dass die Corona-Lockerungen sich auch in ihrer Arbeit widerspiegeln: Die Kontaktlisten mit potentiell Infizierten sind in den vergangenen Wochen wieder länger geworden, was für die Corona-Tracerinnen und -Tracer auch mehr Arbeit bedeutet.

"Man merkt auch in den letzten Wochen, dass die Anzahl an Personen, zu denen die Leute Kontakt hatten, wieder mehr werden und mehr Personen wieder potentiell infiziert sein können und man wieder mehr Personen erreichen muss."
Judith Fürstenberg, Corona-Tracerin beim Gesundheitsamt Saarbrücken

Judith Fürstenberg ist sich ihrer großen Verantwortung sehr bewusst. Da die Betroffenen schon vor Auftreten der ersten Symptome andere Menschen anstecken können, muss es beim Nachtelefonieren oft schnell gehen. Am Anfang wollte sie immer "auf Biegen und Brechen den Fall am gleichen Tag noch zu Ende bekommen", erinnert sich Judith. Bis heute sitze sie oft wie auf glühenden Kohlen, wenn sie die Betroffnen nicht erreichen kann.

"Wenn dann irgendwelche Leute nicht erreichbar sind, sitzt man so auf glühenden Kohlen und versucht es jede viertel Stunde wieder, sie zu erreichen."
Judith Fürstenberg, Corona-Tracerin beim Gesundheitsamt Saarbrücken