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Heute vor genau einem Jahr ist die offizielle Corona-Warn-App an den Start gegangen. Die Bundesregierung hatte große Hoffnungen in die App gesetzt, doch so richtig gezündet hat sie irgendwie nie. Am Jahrestag fragen sich viele: Gibt es da jetzt was zu feiern oder ist die App schon wieder in der Versenkung verschwunden?

"Wir sind aktuell mit den Infektionszahlen in einer guten Lage", hatte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Vorstellung der App damals gesagt. "Aber wir wollen uns die Lage ja auch erhalten, das Erreichte sichern. Und dabei leistet die App einen guten Beitrag."

Viele Downloads zum Start

Am Anfang hatte die Corona-Warn-App viel mehr Downloads als in den Monaten danach oder heute, berichtet Ilka Knigge von Deutschlandfunk Nova. Bis September letztes Jahr, also etwa zweieinhalb Monate nach dem Start, gab es in Deutschland 18 Millionen Downloads. Danach ist die Kurve abgeflacht. Stand jetzt hat es insgesamt etwa 28 Millionen Downloads gegeben.

"Stand jetzt hat es insgesamt etwa 28 Millionen Downloads gegeben."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Es gibt Schätzungen dazu, wie viele Corona-Infektionen mithilfe der App erkannt werden konnten: Zwischen 110.000 und 230.000 Menschen haben sich demnach nur testen lassen, weil die App es empfohlen hat , und konnten so herausfinden, dass sie positiv sind. Bundesregierung und RKI sehen darin die Bestätigung, dass die App Infektionsketten unterbrechen kann.

Flaute nach Anfangs-Hype

Downloads sind das eine – der Eindruck bei vielen von uns in der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion ist dagegen: Die App nutzt kaum noch jemand. Der Anfangs-Hype hat nicht angehalten. Auch in der Berichterstattung kommt die App eher durchwachsen weg. Die Süddeutsche Zeitung gibt ihr zum Beispiel ein "moderat" in Sachen Erfolg. Und Patrick Bellmer vom Tech-Portal Heise Online sieht es noch deutlich kritischer.

"Man könnte, wenn man bösartig ist, sogar sagen, die App ist ein regelrechter Flop gewesen."
Patrick Bellmer, Heise Online

Seitdem die App verfügbar ist, habe es ungefähr 3,5 Millionen Neuinfektionen gegeben. Von diesen seien, Stand letzte Woche, nicht einmal 480.000 positive Testergebnisse über die App geteilt worden, hat er uns erzählt.

Positive Auswirkungen ab 15 Prozent Nutzung

Die Uni Oxford hat sich letztes Jahr in einer Studie die Frage gestellt, wie viele Menschen so eine App nutzen müssten, damit die Pandemie gestoppt werden kann. Ergebnis: Wenn 60 Prozent der Menschen eine Kontaktverfolgungs-App verwenden und den Empfehlungen der App folgen. Bei 15 Prozent Nutzung soll es schon positive Auswirkungen geben. Die 15 Prozent hätten wir in Deutschland erreicht – wenn dann auch wirklich alle die App nutzen, die sie heruntergeladen haben.

Funktionen kamen zu spät

Die neuen Funktionen der App seien jedes Mal ein kleines oder größeres bisschen zu spät gekommen, sagt Tech-Journalist Patrick Bellmer. Dafür war die Funktionalität dann immerhin gut. Das Kontakttagebuch zum Beispiel ist erst Ende 2020 implementiert worden – obwohl RKI-Präsident Lothar Wieler oder Virologe Christian Drosten schon seit Beginn der Pandemie davon sprachen.

Weitere Kritikpunkte sind die Kompatibilität der App im Ausland oder die QR-Code-Funktion bei Treffen. Diese gibt es seit Mai 2021: Damit können Gastgebende einen QR-Code generieren, den sich Gäste dann in die App eintragen können. Bei einer Infektion werden alle, die an dem Treffen teilgenommen haben, informiert – ganz egal, welchen Abstand sie zur infizierten Person hatten.

Impfnachweis in der App

Seit einiger Zeit können wir auch unseren Impfnachweis in die App eintragen lassen. Das könnte zu einem Wiederaufleben der Nutzung führen, sagt Ilka Knigge von Deutschlandfunk Nova. Allerdings gibt es auch alternative Apps wie etwa CovPass vom RKI. Trotzdem: Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom steigt das Vertrauen in die App und mehr Leute teilen ihr positives Ergebnis im Vergleich zu früher.

Es gibt allerdings noch einen Bug beim Eintragen des Impfnachweises in die Corona-Warn-App, sagt Patrick Bellmer: Nach der zweiten Impfdosis lasse sich der 14-Tage-Rhytmus, den man eigentlich noch braucht, überspringen.

"Binnen Sekunden ist es möglich, dass man nach der zweiten Impfdosis diesen 14-Tage-Rhytmus, den man eigentlich noch braucht, überspringen kann."
Patrick Bellmer, Heise Online

Um das klarzustellen: Es geht um einen Fehler, der die Anzeige verfälschen kann, nicht aber den QR-Code.