Im Dunkeln in der Menge stehen, auf der Haut klebt das Bier, das die anderen verschüttet haben. Es ist laut und heiß und wir riechen den Schweiß der anderen. Tja, das war vor Corona. Die Clubs sind nach wie vor geschlossen. Konzerte finden eventuell draußen oder sitzend und mit AHA-Regeln statt. Forschende weltweit sind jedoch damit beschäftigt, Daten zu sammeln und auszuwerten, um besser einschätzen zu können: Wie hoch ist das Infektionsrisiko bei Großveranstaltungen und wie lässt es sich minimieren? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Maximilian Brose hat sich den aktuellen Stand dazu angeschaut.

Klar ist: Bei Konzerten, wie vor der Pandemie, wäre das Infektionsrisiko ziemlich hoch. "Denn wir stoßen ja beim Singen zum Beispiel total viele Aerosole aus – und dicht an dicht stehende Menschen. Das sind natürlich super Bedingungen dafür, dass sich das Coronavirus verbreiten kann", sagt Maximilian Brose.

Im vergangenen Herbst zum Beispiel haben Forschende im Rahmen einer Studie mit dem Namen "Restart 19" Tests bei einem Konzert von Tim Bendzko in Leipzig gemacht. Dabei kam heraus, dass man die Kontakte zwischen Teilnehmenden, bei denen sich das Virus übertragen könnte, erheblich reduzieren kann.

Verschiedene Konzert-Szenarien

Im Rahmen der Studie wurden verschiedene Konzert-Szenarien durchgespielt. Beim ersten Szenario entsprach die Anordnung der Besuchenden dem, was wir von vor der Pandemie kennen: Menschen, die dicht nebeneinander sitzen und nur durch wenige Eingänge in den Saal kommen. "Da gab es im Schnitt etwa neun längere Kontakte pro Person", sagt Maximilian.

Bei einem Konzert-Szenario, wo die Halle dann nur zu 25 Prozent gefüllt war, und es mehrere Eingänge gab, haben die Forschenden nur einen längeren Kontakt im Schnitt pro Person gemessen.

Die Lüftungsanlage ist entscheidend

Ein anderer Parameter, der untersucht wurde, war die Lüftungsanlage in der Halle. Die wurde am Computer simuliert. "Und da hat sich gezeigt, dass die eigentlich recht gut funktioniert hat", erklärt unser Reporter, "denn nur wenige der simulierten Personen haben Aerosole von Infizierten eingeatmet in diesem Computermodell."

Der Versuch, die Lüftungsanlage noch weiter zu verbessern, sei jedoch gescheitert, so der Studienleiter Stefan Moritz: "Und wir haben dann gesehen, dass diese schlechtere Lüftung aber verheerende Auswirkungen hatte. Also da haben sich richtige Aerosol-Wolken gebildet." Pro infizierter Person konnten die Forschenden dann bis zu hundert Exponierte im Umkreis dieser Person ausmachen, weil die Lüftungsanlage die Aerosole nicht schnell genug wegtransportiert hat.

"Das hätte zum Superspreader-Event führen können."
Stefan Moritz, Studienleiter

Daran hat sich also gezeigt, dass eine gute Lüftung extrem wichtig für ein sicheres Konzert ist. Die Ergebnisse der Studie sind allerdings bisher noch nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht – wurden also noch nicht von unabhängigen Forschenden geprüft, sagt Maximilian Brose.

Barcelona: Tanzen mit Maske

Auch in Barcelona gab es ein Test-Konzert, bei dem 500 getestete Besucher und Besucherinnen dicht an dicht tanzen durften – mit Maske. Gleichzeitig gab es eine zufällig ausgewählte Kontrollgruppe, die nicht auf dem Konzert war. Acht Tage später wurden dann beide Gruppen mit PCR-Tests getestet, um zu schauen: Wer hat sich denn jetzt infiziert? Das Ergebnis: Von den 500 Konzert-Teilnehmenden hatte sich niemand infiziert. In der Kontrollgruppe hingegen hatten sich zwei Personen mit dem Coronavirus angesteckt.

"Bei dem Konzert wurden per Schnelltest alle infektiösen Personen vorher aussortiert."
Maximilian Brose, Deutschlandfunk Nova

Es gibt allerdings auch ein paar Einschränkungen, wenn wir uns dieses Modellprojekt anschauen: Erstens wurden per Schnelltest Infizierte vorher aussortiert. "Aber manchmal, das wissen wir mittlerweile, schlägt ein Schnelltest eben auch nicht an, obwohl eine Person vielleicht schon infektiös ist", erklärt Maximilian, "und das war halt auch nur eine kleine Stichprobe, die genommen haben."

Inzwischen gibt es andere Modellversuche, bei denen sogar Konzerte mit bis zu 5.000 Besucherinnen und Besuchern stattgefunden haben. Diese Studien müssen jedoch noch ausgewertet werden.

Fazit

Ob wir demnächst wieder feiern gehen können, hängt wohl von der Art der Veranstaltung ab, schätzt Maximilian Brose: "Draußen sicherlich eher als drinnen. Und man muss natürlich auch schauen, wie sich die Pandemie jetzt weiterentwickelt. Also es gibt natürlich immer mehr Geimpfte, aber die meisten Experimente konnten zum Beispiel auch noch nicht die ansteckendere Delta-Variante berücksichtigen."

Aber bei niedrigen Inzidenzen, bei Veranstaltungen mit halb vollen Hallen und einem guten Hygienekonzept, mit Masken, Tests und guter Belüftung – da könnte vielleicht demnächst wieder eingeschränktes Feiern und Tanzen möglich sein.