Fluggesellschaften müssen gebuchte Start- und Zeitfenster zu 80 Prozent nutzen. Das ist auch gut so. Doch in Zeiten der Ausbreitung des neuen Coronavirus ist die Regel nicht mehr sinnvoll. Wir sprechen mit dem Luftfahrtexperten Cord Schellenberg über Slots an Flughäfen und auf was ihr beim Buchen achten solltet.

Geschäftsreisen werden gestrichen, falls möglich. Teils auch Urlaubsflüge, je nachdem, wohin die Reise gehen soll. Die Ausbreitung des neuen Coronavirus hat auch erhebliche Auswirkungen auf das Fliegen und die Fluggesellschaften. Fast leere oder sogar ganz leeren Passagierflieger starten trotzdem.

80 Prozent der Slots müssen genutzt werden

Für diese Geisterflüge gibt es zwei Gründe, so der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

  • Auch die wenigen Passagiere müssen von den Gesellschaften transportiert werden. Passagiere, die gebucht haben und fliegen wollen, können nicht einfach abgewimmelt werden.
  • Zugleich gibt es eine Regel innerhalb der Europäischen Union, die besagt, dass die Start- und Zeitfenster von Flugzeugen den Fluggesellschaften auch im nächsten Flugplan nur dann wieder zustehen, wenn sie zu mindestens 80 Prozent genutzt wurden.

    Diese EU-Regel hat einen guten Grund. Fluggesellschaften könnten sonst massenhaft Slots buchen, die Start- und Zeitfenster dann aber gar nicht nutzen. Mit der 80-Prozent-Verpflichtung soll Chaos in den Flugplänen verhindert werden. Damit können auch Passagiere sicher sein, dass ihr gebuchter Flug stattfindet.

    "Dass Flugpläne stabil durchgeflogen werden, davon profitiert auch der Passagier."
    Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

    Auch den Fluggesellschaften verschafft das Planungssicherheit für die künftigen Flugpläne: Es gibt jeweils für Winter und Sommer einen neuen. Wenn die Fluggesellschaft die 80 Prozent der gebuchten Slots nicht nutzt, werden diese an die Konkurrenz vergeben.

    Die EU-Kommission hat angekündigt, die Regel vorläufig auszusetzen. Falls dieser Vorschlag rechtlich umgesetzt wird, werden wohl zahlreiche Fluggesellschaften Verbindungen streichen, vor allem wenn sie auf einzelnen Strecken mehrere Flüge am Tag durchführen. Die Airlines werden Passagiere dann umbuchen, um verbleibende Flüge voller zu bekommen.

    Die Pandemie lässt die Branche kriseln

    Die Auswirkungen des neuen Coronavirus lässt die Flugzahlen sinken und das hat Auswirkungen auf die Branche. Lufthansa habe mitgeteilt, so Cord Schellenberg, dass es Anfang März erstmals einen Tag gab, an dem gleich viele Passagiere Flüge stornierten und neue buchten. Wenn diese Entwicklung länger anhält, dann machen Fluggesellschaften bald keine Gewinne mehr.

    "Der neuartige Coronavirus trifft die Flugbranche absolut massiv."
    Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

    Unter der Situation werden besonders jene Airlines leiden, die generell unter finanziellem Druck stehen. Cord Schellenberg rät deshalb, eher bei Fluggesellschaften zu buchen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig Gewinne gemacht haben. "Dort würde ich mich als Passagier wohlfühlen", sagt Cord Schellenberg. Fluggesellschaften, die schon zuvor Strecken einstellen mussten oder Kostensenkungsprogramme hatten, sind von der aktuellen Krise noch stärker betroffen. "Bei denen würde ich mein Geld jetzt nicht unbedingt abgeben", sagt Cord Schellenberg.