Die Coronavirus-Konzentration im Abwasser zu bestimmen, könnte als Frühwarnsystem dienen und Hinweise auf die Dunkelziffer liefern. Trivial ist das nicht.

Dass vieles, das der Mensch ausscheidet, im Abwasser nachgewiesen werden kann, ist schon länger bekannt. Medikamente und Drogen zum Beispiel.

Die aktuelle Idee: Wenn sich die Anzahl der Coronaviren im Abwasser nachweisen lässt, könnte man daraus Hinweise auf das Infektionsgeschehen errechnen. Vereinfacht gesagt: Je mehr Erbmaterial von Viren gefunden wird, desto mehr Menschen sind (in bestimmten Regionen) vermutlich infiziert.

"Auf der ganzen Welt wird erforscht, wie sich Viren über das Abwasser analysieren lassen."
Arndt Reuning, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dass der Nachweis der Sars-CoV-2-Viren generell funktioniert, haben Forscher des Wasserforschungsinstituts KWR im niederländischen Nieuwegein schon vor einigen Wochen gezeigt.

Jetzt soll die Methode ausgeweitet werden auf rund 20 Kläranlagen in Deutschland. An dem Projekt sind das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall und die TU Dresden beteiligt.

Hinweis auf Dunkelziffer möglich

Abwasser auf Coronaviren hin zu analysieren, könnte im besten Fall zwei Erkenntnisse bringen: Zum einen könnte es Hinweise darauf geben, welche Region aktuell stark betroffen ist. Oder zumindest stärker betroffen ist als andere. Zum anderen könnte eine solche Analyse auch Aufschluss über die Dunkelziffer geben. Denn viele Menschen sind infiziert, ohne es zu merken oder zumindest ohne getestet zu werden.

Speziell Letzteres erscheint aber schwierig:

  • Es müsste genau ermittelt werden, wie hoch die Virus-Konzentration im Abwasser ist.
  • Es sind Erkenntnisse darüber nötig, wie viele Viren Menschen über den Darm überhaupt ausscheiden.
  • Wenn es wie zurzeit sehr wenige Neuinfizierte gibt, ist die Viruskonzentration im Abwasser – wenn überhaupt etwas da ist – sehr gering. Das macht die Analyse noch aufwendiger und die Proben müssen gut aufbereitet und teilweise aufkonzentriert werden.
  • Benötigt sind zudem verlässliche mathematische Modelle, die eine Hochrechnung ermöglichen.

Womöglich wird die Abwasser-Analyse nicht die wichtigsten Erkenntnisse für das Verständnis des Infektionsgeschehens liefern, sie könnte aber einen Teil dazu beitragen.