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Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren liegt die Inzidenz aktuell bei 100,9. Sie sind die einzige Altersgruppe mit einem Wert von über 100. Die Bundesregierung hat grünes Licht für eine Impfungab 12 Jahren gegeben. Das Pro und Contra einer solchen Impfung erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen sich ab dem 7. Juni, dem Ende der Priorisierung, gegen das Coronavirus impfen lassen können. Das haben Bund und Länder beim Impfgifpel am 27. Mai beschlossen. Voraussetzung hierfür ist die Zulassung eines Vakzins durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA.

Die EMA entscheidet am 28. Mai, ob der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Zwölfjährige zugelassen werden kann. Bisher war die Vakzine für alle ab 16 Jahre freigegeben.

Pro Impfen von Kindern und Jugendlichen

Für das Impfen von Kindern und Jugendlichen würde sprechen, dass auch sie an Covid-19 erkranken können. Zwar kommen schwere Krankheitsverläufe nur selten vor, aber es gibt sie, erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori. Auch sind manche von ihnen von Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion, dem sogenannten Long Covid, betroffen.

Bei etwa einem von 1000 infizierten Kindern kommt es Wochen nach der Infektion zu einer Entzündung im Körper, dem PIMS-Syndrom, die sich etwa durch hohes Fieber, Durchfall oder Erbrechen zeigt. Bislang wurde die Entzündung bei mehr als 300 Kindern in Deutschland nachgewiesen, die meisten von ihnen wurden auf Intensivstationen behandelt.

Noch gefährlicher als für gesunde Kinder kann eine Infektion mit dem Coronavirus für chronisch kranke Kinder und Jugendliche sein. Wobei dieser Punkt noch einmal einzeln betracht werden muss.

Contra Coronavirus-Impfung ab 12 Jahren

Auf der anderen Seite ist der Nutzen einer Impfung für Kinder und Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen gering, sagt die Wissenschaftsjournalistin. Stecken sie sich mit dem Coronavirus an, ist das in der Regel nicht gefährlich für sie. Ältere Menschen ab 50 Jahren haben dagegen ein wesentlich höheres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken inklusive Spätfolgen.

Stiko: Keine ausreichende Datengrundlage

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine Empfehlung für eine Impfung ab 12 Jahren abgegeben. Stiko-Mitglied Rüdiger von Kries sagte gegenüber dem RBB, eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche sei in Deutschland nicht zu erwarten. Grund dafür seien mögliche Nebenwirkungen in der Altersgruppe. Die Datenlage ist also noch zu gering.

Die Studien der Hersteller Biontech und Moderna haben bei über Zwölfjährigen zwar keine schweren, gefährlichen Nebenwirkungen nach der Impfung gezeigt. Demnach gibt es mit dem Wissen von heute keine konkreten Bedenken.

Allerdings haben rund 1100 und mehr als 3000 Kinder an den jeweiligen Studien teilgenommen, was relativ wenig ist, so Christina Sartori. Für die Zulassung für Erwachsene wurde der Impfstoff an über 30.000 Menschen getestet. Falls es zu Nebenwirkungen bei Kindern kommen sollte, würden die in einer Studie mit 3000 Teilnehmenden weniger oder kaum auffallen.

"Weil der Nutzen der Impfung für gesunde Kinder eher gering ist, darf das Risiko eben auch nur sehr gering sein. Das sieht man erst, wenn deutlich mehr als 3000 Kinder den Impfstoff erhalten haben."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Wissenschaftsjournalistin hält es eher für notwendig, in erster Linie das Umfeld von Kindern zu impfen: Eltern, Lehrerinnen, Erzieher. Sind sie geimpft, schützen sie auch die Kinder und Jugendlichen, sagt sie. Im Herbst sollte es dann mehr Daten darüber geben, wie der Impfstoff bei Kindern wirkt, um zu sagen, er ist sicher.

"Für eine Annäherung an die Herdenimmunität müssen die Erwachsenen sorgen - nicht die Kinder."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Für die Impfung von Kindern und Jugendlichen möchte die Bundesregierung bis August 2021 fast 6,4 Millionen Impfdosen bereitstellen. Dabei geht sie von 5,3 Millionen Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren aus, die in Deutschland leben.