Forschende haben untersucht, welche Symptome auch noch lange nach einer Covid-19-Infektion auftreten. Neben bekannten Leiden wie Erschöpfung oder Kurzatmigkeit sind sie auch auf Überraschendes gestoßen - so stehen der Studie zufolge etwa auch Haarausfall und Ejakulationsstörungen auf der Liste möglicher Langzeitfolgen.

Mehr als 60 Symptome, an denen wir langfristig nach einer Covid-19-Erkrankung leiden können, hat ein britisches Forschungsteam ausgemacht! In ihrer Studie hatten sich die Forschenden Langzeit-Beschwerden und auch Risikofaktoren dafür angesehen, und zwar bei Covid-19-Genesenen, die so milde erkrankt waren, dass sie nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Konkret ging es um Symptome, die noch drei Monate und später nach einer Covid-19-Erkrankung auftreten, was im Deutschen als Post-Covid bezeichnet wird. Die Forschenden haben dafür fast 500.000 Menschen, die 2020 und 2021 an Covid-19 erkrankt waren, verglichen mit knapp zwei Millionen, bei denen kein Corona festgestellt worden war.

"Insgesamt haben die Forschenden mehr als 60 Symptome gefunden, bei denen sie sagen: Das haben die Leute höchstwahrscheinlich, weil sie Corona hatten."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Bei 62 der über 100 untersuchten Beschwerden konnten die Forschenden so tatsächlich einen statistisch signifikanten Zusammenhang zur Covid-19-Erkrankung feststellen. Heißt: Diese Beschwerden lassen sich höchstwahrscheinlich auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückführen.

Unbekannte Post-Covid-Symptome

Einige der häufigsten Symptome, die in der Studie festgestellt wurden, sind bereits bekannt: Erschöpfung, Verlust des Geruchssinns oder Brustschmerzen etwa, auch Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Brain Fog, also dass sich unser Gehirn vernebelt anfühlt.

Aber die Forschenden haben auch Symptome ausmachen können, deren Zusammenhang mit Post-Covid bislang eher nicht bekannt war: Niesen, oder Heiserkeit etwa. Aber auch noch Überraschenderes wie Haarausfall, Ejakulationsstörungen oder verminderte Lust auf Sex zeigten sich deutlich häufiger bei Menschen mit einer überstandenen Infektion als bei der Vergleichsgruppe.

"Ejakulationsstörungen und weniger Sex-Lust kennt man von Virus-Erkrankungen eher nicht, sowas kommt eher bei chronischen Krankheiten vor."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Die genauen Zusammenhänge müssen noch weiter untersucht werden, sagen die Forschenden. Trotzdem und trotz der großen Bandbreite der untersuchten Symptome können die Ergebnisse auch jetzt schon helfen. Anhand der Symptom-Liste können Ärzt*innen spezifische Beschwerden gezielter abfragen und so eine mögliche Verbindung mit einer Covid-19-Infektion erkennen.

Risikofaktoren für Post-Covid

In ihrer Studie konnten die Forschenden außerdem ausmachen, welche Risiko-Faktoren Post-Covid-Symptome wahrscheinlicher machen. So berichteten Frauen zum Beispiel häufiger von entsprechenden Beschwerden, auch BIPoC ("Black Afro-Caribbean ethnic groups, mixed ethnicity and other minority ethnic groups comprising of patients with native American, Middle Eastern or Polynesian origin") und eher jüngere Menschen. Auch sozioökonomische Benachteiligung zeigte sich als Risikofaktor, ebenso wie Vorerkrankungen, Übergewicht oder Rauchen.

Häufigkeit von Langzeitfolgen

Laut WHO leiden übrigens zwischen 10 und 20 Prozent der Covid-19-Genesenen Monate später noch unter verschiedenen Beschwerden. Der WHO-Wert bezieht sich allerdings auf die Delta-Variante und die Varianten, die davor kursierten.

Für Omikron-Infektionen legen erste Zahlen bislang den Schluss nahe, dass Post-Covid-Symptome danach seltener vorkommen. Und es gibt auch von der WHO abweichende Zahlen. So ganz sicher lässt sich also nicht sagen, wie hoch der Anteil der Post-Covid-Fälle ist.