Ein smartes Armband, das vibriert, wenn wir zu viel Alkohol trinken, ein Gerät das Pflanzen zum Sprechen bringt und ein Laden, der "gerettete Lebensmittel" verkauft. Über geniale Start-up-Ideen haben wir viel berichtet. Aber was ist passiert, nachdem das Crowdfunding vorbei war?

Crowdfunding-Kampagnen funktionieren besonders gut, wenn viele User die Idee über Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke teilen. Das klappte bei dem Konzept von Sirplus. Das Start-up aus Berlin will Lebensmittel in einem Laden verkaufen, die in den Supermärkten übrig bleiben oder die gar nicht erst den Weg dorthin gefunden haben. Kartoffeln die zu klein oder Karotten, die zu krumm sind beispielsweise. 

Crowdfunding gegen Foodwaste

Über 90.000 Euro kamen zusammen, mehr als geplant. Das Team von Sirplus konnte in Berlin das erste "Food-Outlet" eröffnen, gerade bauen sie einen Lieferdienst für die Lebensmittel auf. Dass das Crowdfunding so gut lief, führt Raphael Fellmer, einer der Initiatoren, auf das Konzept zurück. Foodwaste sei schon länger ein wichtiges Thema.

"Ein Großteil der Menschen in Deutschland ist gegen Lebensmittelverschwendung. Viele können aber nichts dagegen tun. Wir haben das Lebensmittelretten jetzt aber ganz einfach gemacht. Das hat die Leute fasziniert."
Raphael Fellmer, Sirplus

Fellmer sagt, dass bis zu 500 Kunden jeden Tag in den Laden in Berlin kommen. Nachdem das Crowdfunding so gut lief, planen sie als Nächstes einen digitalen Marktplatz. Hat beispielsweise ein Bauer große Mengen an Kartoffeln übrig, fände sich so vielleicht ein Abnehmer. Raphael Fellmer wünscht sich außerdem, dass in den kommenden Jahren über 30 weitere Food-Outlets in Deutschland eröffnen. 

Worin investiere ich da gerade?

Doch nicht immer klappt das Crowdfunding. Die Macher von Phytl aus der Schweiz wollen Pflanzen zum Sprechen bringen. Die Zimmerpflanze wird verkabelt und an eine kleine Box angeschlossen. Das Gerät erkennt dann, wie die Pflanze auf Umwelteinflüsse reagiert, also auf Sonnenstrahlung oder wenn ihre Blätter beschädigt werden. Diese Reaktionen könnte man dann – so der Plan – in einer App anzeigen lassen. Das könnte auch für die Landwirtschaft interessant sein. Schon jetzt können die Pflanzenreaktionen in Geräusche umgewandelt werden. Doch was das alles genau bedeutet, war zum Start des Crowdfundings noch nicht vollständig geklärt. Die Wissenschaftler wollten noch weiter forschen. Die Crowdfunding-Community war aber nicht überzeugt, das Produkt noch nicht ausgereift, die Finanzierung hat auf diesem Weg nicht geklappt.

"Die Idee ist total spannend. Aber wahrscheinlich investiert kaum jemand gern in ein Produkt, von dem man noch nicht genau weiß, was es eigentlich kann."
Daniel Kähler, Deutschlandfunk Nova Reporter

Wenn das Armband vor zu viel Promille warnt

Besser lief es für Proof, einem smarten Armband aus Kalifornien. Über die Ausdünstungen der Haut erkennt es, wie viel Alkohol seine Trägerin oder sein Träger im Blut hat. Wird ein bestimmter Grenzwert erreicht, warnt es per Vibration oder Leuchtsignal. Die Details zum eigenen Alkoholkonsum sollen auf dem Smartphone angezeigt werden. Das Crowdfunding dafür lief gut, doppelt so viel Geld wie geplant kam zusammen, zusätzlich erhielten die Macher Fördergelder. Doch die Entwicklung verzögert sich. Eigentlich sollten Ende 2017 die ersten Armbänder fertig sein. Nach Auskunft des Unternehmens soll nun alles zu einem unbekannten Termin im Jahr 2018 fertig werden.

Crowdfunding – es ist kompliziert

Wer beim Crowdfunding Start-ups unterstützt, braucht also vielleicht etwas Geduld, bis zum Beispiel das Produkt tatsächlich fertig ist. Andersherum sollten sich Start-ups fragen, ob Crowdfunding für ihr Projekt der richtige Weg ist, um an Geld zu kommen. Denn nicht jede gute Idee spricht sich automatisch in den Sozialen Netzwerken herum.

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