In Dänemark dauert ein Wahlkampf insgesamt nur drei Wochen – und der Wahltermin wird genau drei Wochen vorher bekannt gegeben. Die nächsten Wahlen finden am 5. Juni statt.

Den Wahltermin der Dänen legt immer der amtierende Regierungschef fest, aktuell ist das Lars Løkke Rasmussen. Der habe jedoch keine Vorteile durch die Bestimmung des Termins, so ARD-Korrespondent Carsten Schmiester. Denn die Umfragewerte von Lars Løkke Rasmussen seien seit Wochen nicht mehr positiv. Daher habe auch das Spielen auf Zeit keine Vorteile für ihn gebracht: Daher habe sich Lars Løkke Rasmussen nun für den 5. Juni entschieden. Der Termin hätte aber erst bis spätestens zum 17. Juni feststehen müssen.

Parlamentswahlen am Verfassungstag in Dänemark

Der 5. Juni ist in Dänemark der "Verfassungstag", Däninen und Dänen haben dann den halben Tag frei, sagt Carsten Schmiester. Es könne sein, dass der aktuelle Regierungschef einer liberal-konservativen Regierung gerade aus diesem Grund den Tag gewählt habe – und sich Hoffnungen ausrechne. Denn den Menschen in Dänemark werde nachgesagt, an diesem Tag besonders patriotisch zu sein.

"Es gibt Beobachter, die sagen, dass die Dänen sich an diesem Tag ganz schrecklich dänisch und national fühlen."
Carsten Schmiester über den "Verfassungstag" in Dänemark

Die Opposition hat wohl nicht damit gerechnet

Aktuell sei Kopenhagen mit Plakaten für die anstehende EU-Wahl Ende Mai gepflastert. Jetzt müsse schnell Platz geschaffen werden für die Wahlplakate der anstehenden Parlamentswahlen, berichtet der Korrespondent. Denn diese stünde nun deutlich im Fokus der dänischen Bevölkerung.

Für die Parteien bedeutet das großen Stress: Denn gerade die Opposition habe wohl nicht so früh mit dem Wahlkampf für die Parlamentswahlen gerechnet, so Carsten Schmiester weiter. Aber die Parteien kennen dieses Vorgehen und so sei damit zu rechnen, dass sie einen schnellen Weg für den neuen Wahlkampf finden würden.

"Aber sie kennen es und fahren dann eben schnell von null auf hundert."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent, über schnelle Wahlkämpfe in Dänemark
Der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen beantwortet im Bundeskanzleramt Fragen von Journalisten, nachdem er von der Bundeskanzlerin zu einem Gespräch mit anschließender Pressekonferenz empfangen wurde. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
© dpa
Der dänische Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen

Warum den Dänen drei Wochen Wahlkampf reichen

Dänemark ist mit sechs Millionen Einwohnern ein kleines Land und die Menschen dort sind grundsätzlich politisch sehr interessiert, berichtet Carsten Schmiester. Politik sei fester Bestandteil des Alltags: Auch während der laufenden Legislaturperiode interessierten sich die Däninnen und Dänen für Politik und seien daher entsprechend gut informiert.

"Politik ist permanent da im Alltag. Auch in den Köpfen der Leute."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Dänemark

Aufgrund dieser vorhandenen Basis sei es in Dänemark leichter, einen schnellen Wahlkampf durchzuführen – Diskussionsgrundlagen müssten nicht erst geschaffen werden und Positionen seien bekannt. Das sei in Dänemark damit ganz anders als in Deutschland.

"Die Opposition hat mehr zu kämpfen. Da ist die Regierung immer im Vorteil."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent für Dänemark

Aus Sicht des Korrespondenten hat dieser in Dänemark durchgeführte Wahlkampf keinerlei Nachteile: Denn aufgrund der Kürze der Wahlkampfdauer werde auf Wiederholungen einfach verzichtet und die Konzentration läge auf dem Wesentlichen. Allerdings sei die Situation für die Opposition schwieriger, denn sie müsse nun schnell auf aktuelle Themen und Entwicklungen in ihrem Wahlkampf reagieren. Eine Strategie für den Wahlkampf könne sie sich nämlich nicht zwei Jahre im Vorfeld überlegt haben. Trotzdem, sagt Carsten Schmiester: Es ist davon auszugehen, dass es zu einem Machtwechsel in Dänemark kommen wird.