Auf manchen Webseiten werden Nutzer bewusst in die Irre geführt oder manipuliert. Das Prinzip nennt sich Dark Patterns und kommt ziemlich häufig vor. Nutzer sind machtlos – der Gesetzgeber müsste da regulieren.

Im Netz begegnen uns Dark Patterns an vielen Orten. Beispielsweise wenn wir etwas online bestellen wollen und zunächst viele Daten von uns eingeben müssen. Das kann dann schon eine Weile dauern. Kurz bevor wir dann endlich den Bestellvorgang abschließen können, werden uns die Zusatzgebühren angezeigt. Das ist als eine Art Täuschung zu bewerten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

"Als Verbraucher kannst du die hohen Kosten akzeptieren oder nicht. Wer akzeptiert, ist vom Shop quasi manipuliert worden, mehr zu bezahlen als vorgesehen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Ein anderes Beispiel für Dark Patterns ist, wenn wir unser Amazon-Konto löschen wollen. Das ist so versteckt und so kompliziert, dass es für die meisten ohne Schritt-für-Schritt-Anleitung aus dem Internet unmöglich erscheint. Auch das ist eine bewusste Irreführung auf der Webseite. Dark Patterns heißt soe viel wie "versteckte Muster" und bedeutet, dass Userinnen und User etwas tun, was sie eigentlich gar nicht vorhatten, oder eben mit logischem Verstand nicht dort landen, wo sie hinwollten.

Dark Patterns: Die "Kakerlaken-Falle" und "Sneak into Basket"

Dark Patterns hat mehrere Methoden. Eine Methode nennt sich die Kakerlaken-Falle:

  • Die Methode "Kakerlaken-Falle" verfolgt das Prinzip, dass ich schnell irgendwo rein komme, aber nur schwer wieder raus. Ähnlich wie bei Amazon und dem Löschen des Accounts. Gerne auch verwendet bei sämtlichen Seiten oder Apps, die Abos anbieten. Abschließen geht immer ziemlich schnell und einfach – wenn wir es dann aber kündigen wollen, klicken wir ewig rum, bis wir dort sind, wo wir hinwollen. Es wird uns also bewusst schwer gemacht.

Eine zweite Methode von Dark Patterns nennt sich "Sneak into Basket".

  • Das kennen Menschen, die viel online Shoppen. Bei dieser Methode landet automatisch etwas im Warenkorb, was wir gar nicht dort rein gelegt haben.

User-Analyse für effektive Verkaufsstrategien

Harry Brignull ist Berater und Experte zum Thema Nutzerführung auf Webseiten. Er hat untersucht, mit welchen Methoden unser Verhalten auf Webseiten analysiert und dazu genutzt wird, uns zu beeinflussen. Er sagt, es sei so, als ob uns ein Psychologe beim Einkaufen folgt und alles notiert. Diese Informationen werden dann dazu genutzt, einen Weg zu finden, wie uns am effektivsten etwas verkauft werden kann.

"Generell geht es immer darum, dass Webseiten- und Shop-Betreiber das Verhalten der Nutzer analysieren und es am Ende beeinflussen."
Harry Brignull, Berater und Experte zum Thema Nutzerführung auf Webseiten, User Experience

Schwieriger zu beurteilen ist, bis zu welchem Grad es sich um geschicktes Marketing handelt und ab wann es bewusste Täuschung ist. Beispiel: Wenn uns ein Shop fragt, ob wir noch etwas hinzubuchen wollen, und der "Nein-Button" so klein ist, dass die Hälfte der Kunden ihn gar nicht sieht und sich quasi gezwungen fühlt, auf "Ja" zu klicken, ist das näher an der Verbrauchertäuschung als an einer legitimen, geschickten Verkaufsstrategie, meint Konstantin.

Für legitim hält Konstantin, wenn der "Nein"-Button in einem dezenten Grau und der "Ja"-Button grün oder blau ist und etwas mehr auffällt.

Gesetzgeber schränken Dark Patterns ein

In einigen Fällen hat der Gesetzgeber bei Dark Patterns interveniert. Beispielsweise wurde 2012 der Kaufbutton bei Onlineshops neu geregelt. Seither muss dieser Button mit Begriffen wie "kostenpflichig bestellen" oder "jetzt kaufen" gekennzeichnet sein. Vorher hatten Verbraucher oft aus Versehen etwas gekauft.

Eine gesetzliche Regelung ist bei bewusster Verbrauchertäuschung also notwendig. Nur ist es nicht so leicht, sagt Konstantin Köhler.

"Vieles kann man gesetzlich regeln, auch wenn das nicht einfach ist, weil teilweise sehr spezielle und detaillierte Dinge zu Design und Nutzerführung geregelt werden müssen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

User-Experience-Experte Harry Brignull fordert aber, dass der Gesetzgeber schneller auf digitale Entwicklungen reagieren müsse. Nur so könnten Verbraucherinnen und Verbraucher gut vor Dark Patterns geschützt werden.