Sars, Vogelgrippe, Schweinegrippe oder aktuell Covid-19 haben eines gemeinsam: Es sind Viruserkrankungen, die ursprünglich von Tieren stammen. Solche Übertragungen von Tier zu Mensch sind häufiger geworden, sagt der Biologe Thomas Mettenleiter.

Alle Daten deuten darauf hin, dass das neuartige Coronavirus, Sars-CoV-2, wie auch schon sein Vorläufer Sars-CoV-1 ursprünglich von Fledermäusen stammt, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit.

Das Virus ist demnach entweder direkt oder über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergegangen. Bei Sars-CoV-1 werde angenommen, dass die Zibetkatze der Zwischenwirt war. Im Fall des neuen Virus sei das noch unklar – Gerüchten zufolge könne es ein Schuppentier gewesen sein.

Bis zu drei Viertel der neuen Infektionskrankheiten beim Menschen kommen vom Tier

Solche Tier-Mensch-Übertragungen von Infektionskrankheiten, sogenannte Zoonosen, sind keine Seltenheit, erklärt der Biologe: Man gehe davon aus, dass zwei Drittel der Infektionskrankheiten, die beim Menschen vorkommen, ursprünglich aus dem tierischen Bereich kommen – bei den neu auftretenden sogar drei Viertel.

Glücklicherweise käme es aber sehr selten zu solchen großen Epidemien oder Pandemien, wie wir sie in den letzten Jahren beobachten konnten. Das geschieht nur, wenn ein solcher Erreger sich auch sehr gut von Mensch zu Mensch ausbreiten kann.

Strenge Quarantänemaßnahmen gegen Ausbreitung

Wie gefährlich solche aus dem Tier stammenden Krankheiten für uns sein können, ist dabei ganz unterschiedlich. Bei Sars war es so, erinnert Thomas Mettenleiter, dass die Infektionen durch sehr strenge Quarantäne-Maßnahmen gestoppt werden konnten. Genau das wird derzeit ja auch mit dem neuartigen Coronavirus versucht. Bei der Schweinegrippe hingegen kam es zu einer Pandemie. Mittlerweile sei das Virus aber "ein ganz normales Grippevirus" geworden.

Enger Tier-Mensch-Kontakt und Globalisierung befördern Ausbreitung von Erregern

Solche Tier-Mensch-Kontakte werden durch den engen Kontakt mit Tieren begünstigt – seien es Nutz- oder Wildtiere. Die Interaktionen zwischen Wildtier, Nutztier und Mensch sind in den vergangenen Jahren deutlich intensiver geworden, sagt Thomas Mettenleiter, deswegen beobachteten wir solche Ausbreitungen in letzter Zeit häufiger.

Auch, dass wir Menschen uns heutzutage viel schneller und einfacher global bewegen könnten, eben auch aus entlegenen Regionen in urbane Zentren, trage zu einer Zunahme solcher Ausbreitungen bei.

Einschränkungen von Lebendmärkten sinnvoll

Maßnahmen wie zum Beispiel ein Verbot von Wildtierverkäufen können grundsätzlich sinnvoll sein, um solche Übertragungsmöglichkeiten zu minimieren, so der Biologe. Bei der Vogelgrippe in China etwa seien Geflügelimpfungen und die Einschränkung des Verkaufs lebender Tiere durchaus erfolgreich gewesen.

Auch das Verbieten von "Bushmeat", insbesondere dem illegalen Verzehr von Wildtieren, oder Hygienemaßnahmen auf Märkten hält er für zweckmäßig. Aber ein Verbot von Lebendmärkten weltweit zu verhängen, sieht er eher skeptisch – auch, weil es sich kaum tatsächlich umsetzen ließe.

Sars-CoV-2: wohl keine Mensch-Tier-Übertragung

Solche Übertragungen kommen übrigens auch umgekehrt vor – also vom Menschen aufs Tier. Laut Thomas Mettleiter gibt es allerdings weltweit bislang keine Hinweise darauf, dass das neuartige Coronavirus vom Menschen auf Nutz- oder Haustiere übertragen worden ist und dieser Übertragungsweg somit zu einer weiteren Ausbreitung des Erregers beitragen könnte. Allerdings sei das bislang wenig untersucht.