Podcasts kosten Zeit. Um sie schneller hören zu können, haben viele Apps nun den revolutionären Double-Speed-Button. Aber Podcasts mit doppelter Geschwindigkeit hören, das ist nichts für jeden.

Wer einmal anfängt Podcasts zu hören, der bekommt ziemlich schnell ein Problem: Es werden immer mehr und mehr ungehörte Folgen, die sich in der Podcast-App auftürmen. Auch deshalb haben viele Podcast-Apps inzwischen ein Feature, mit dem sich mehr Podcasts in kürzerer Zeit hören lassen. Ja, die Rede ist vom revolutionären Double-Speed-Button. 

Aber Podcasts mit doppelter Geschwindigkeit zu hören, das ist nichts für jeden. Zum Beispiel auf Twitter entbrennt die Diskussion immer mal wieder und auch die Beziehung von Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Reintjes belastet das Thema.

Podfast ist Übungssache 

Thomas und sein Freund mögen beide Storytellingshows wie This American Life die Einhundert auf Deutschlandfunk Nova oder Comedy, zum Beispiel die Show 2 Dope Queens. Aber die beiden hören die Sachen in verschiedenen Geschwindigkeiten. Thomas im normalen Tempo, sein Freund Rob in doppelter Geschwindigkeit. 

Für Thomas funktioniert das doppelte Tempo nicht. Seiner Meinung nach geht das Timing kaputt und seiner Meinung nach können wir die ganzen Informationen gar nicht so schnell verarbeiten. Aus Thomas spricht sicher auch der Radiomacher. Denn er weiß, dass es auf das Timing und die Produktion eines Beitrags ankommt und als Radiomensch steckt er in diese Sache viel Sorgfalt. 

"Schließlich gebe ich mir doch oft, genau wie die Comedians, viel Mühe, das Timing richtig hinzubekommen!"
Thomas Reintjes

Was die Aufnahme von Informationen in kürzerer Zeit betrifft, fällt Thomas ein Interview ein, dass er vor Jahren geführt hat. Und dieses Interview widerlegt das Argument der reduzierten Aufnahmefähigkeit bei hoher Geschwindigkeit. In dem Interview hat nämlich Gerhard Jaworek vom Karlsruher Institut für Technologie Thomas seinen Arbeitsplatz gezeigt. Jaworek ist blind und lässt sich alles, was auf seinem Monitor erscheint, wahnsinnig schnell vorlesen. Und wenn das trotz des Affenzahns zu verstehen ist, dann ist es eine Frage der Übung, ob die gedrängten Informationen aufgenommen werden können oder nicht. 

Podfaster sparen viel Zeit

Rob, der Podfast-Fan, will einfach schneller zum Punkt kommen und fertig werden mit dem Podcast. Ein überzeugter Podfaster, der fast nur noch in doppelter Geschwindigkeit hört, ist auch Daniel Weber. Seine App rechnet ihm die Zeit aus, die er durch doppelte Hörgeschwindigkeit gespart hat: 

"Also, ich hab tatsächlich jetzt vorhin mal in die App geschaut. Die benutze ich jetzt seit vier Monaten, und die hat mir gesagt, ich hab seither 45 Stunden gespart durch schnelleres Hören und gleichzeitig fünfeinhalb Stunden, weil ich Pausen übersprungen habe."
Daniel Weber

Der Player von Daniel Weber überspringt automatisch kleine Sprechpausen. Unser Reporter Thomas hat Daniel auf Twitter gefunden. Er ist ihm aufgefallen, weil er bei Twitter geschrieben hat, dass er sich wünschte, einen langweiligen Vortrag einfach schneller laufen lassen zu können. Aber selbst Daniel hörte bestimmt Podcasts langsam. Fest und Flauschig zum Beispiel. Bei diesem Podcast möchte Daniel nämlich gar nicht, dass er schneller zu Ende geht. 

Reporter Thomas Reintjes findet, dass es auch auf die Hörsituation ankommt. Wenn wir nur nebenbei hören und und uns nur wenig auf den Podcast konzentrieren können, sollten wir den lieber in normaler Geschwindigkeit hören. Sonst rauscht das Gesagte tatsächlich einfach nur an uns vorbei.