Der Zunderschwammpilz wächst an der Baumrinde und schon Ötzi hatte ihn dabei. Er benutzte den Pilz zum Feuermachen. Aber der Pilz kann mehr. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nora Hespers hat sich den Pilz angeschaut. 

So ein Zunderpilz wächst bis zu 30 Jahre lang an einem Baum. Dabei kann er einen Durchmesser von 30 Zentimetern erreichen. Neben dem Zunderschwamm gibt es noch zwei weitere Pilze, die ihm sehr ähnlich sehen. Die beiden anderen Schwämme heißen Feuerschwamm oder Lackporling. Die Ähnlichkeit der Pilze ist so groß, dass selbst Förster sie nicht immer auf den ersten Blick unterscheiden können. 

Aus dem Pilz wird das Textilmaterial Trama 

Die beiden Letztgenannten können aber leider nicht das, was der Zunderschwamm drauf hat. Denn aus dem Zunderschwamm kann auch der flauschig-weiche Stoff Trama hergestellt werden. Trama war früher ein total bekanntes Textilmaterial. Heute ist das Handwerk fast ausgestorben. Aber in Transsylvanien in Rumänien wird der Stoff noch hergestellt. 

Der Zunderschwamm roh und verarbeitet
© Deutschlandfunk Nova | Elke Hofmann
Der Zunderschwamm geerntet vom Baum, ein teilverarbeitetes Stück und in einer Version, die Wildleder ähnlich ist (im Uhrzeigersinn)

Eine Berliner Designerin hat im Rahmen ihres Textildesignstudiums am Zunderpilz geforscht und damit experimentiert. Produkte aus Zunderpilzleder verkauft Nina Fabert heute über ihr Label „Zvnder“. Dort gibt es Portemonnaies, Uhrenarmbänder und Basecaps. Ihre Kreationen sind für den German Design Award 2018 nominiert.

Die besten Pilze wachsen in Rumänien

Für die professionelle Verarbeitung eignen sich die Pilze aus Rumänien am besten. Dort wachsen sehr große und qualitativ hochwertige Zunderschwammpilze.

"Die Berliner Pilze eignen sich überhaupt nicht, um da irgendein Leder draus zu machen, leider. Das hat mit der Höhenlage zu tun und dem Wassergehalt."
Designerin Nina Fabert über die Zunderpilzqualität in Berlin

Nach einigen Versuchen, den Pilz selbst zu Leder zu verarbeiten, bezieht Designerin Nina das fertige Tramaleder inzwischen aus Rumänien.

"​Das ist gar nicht so leicht. Denn man muss das Material ziehen, dehnen, walken, trocknen, wieder feucht machen und von vorne."
Nora Hespers über die Versuche der Designerin, das Trama selbst herzustellen

Aktuell experimentiert Nina mit Einlegesohlen. Und erste Erfahrungsberichte ihrer Kunden weisen darauf hin, dass Trama-Sohlen wohl gegen Fußpilz helfen könnten. Wissenschaftlich erforscht ist das allerdings noch nicht. 

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