Schon gemerkt? Früher waren Online-Texte fetter, schwarzer und einfach klarer. Heute wirkt alles grau und zurückgenommen. Das Netz verblasst. Warum ist das so?

Verantwortlich dafür ist ein Designtrend, der die Texte und auch Menüs im Netz verblassen lässt, denn die Kontrastverhältnisse werden immer geringer. Darunter leidet auch die Lesbarkeit. Kevin Marks hat auf Backchannel einen bitterbösen Artikel darüber geschrieben, dass Texte im Netz immer schlechter lesbar sind.

Der Grund dafür ist die Ästhetik. Kontrast-reduzierte Schriften wirken filigraner und edler, weniger grob und wuchtig. Aber es gibt noch ein zweites, nicht-ästhetisches Argument: Geringere Kontrastverhältnisse ermüden beim längeren Lesen die Augen weniger stark.

Die Konzerne empfehlen eigentlich mehr Kontrast

Für Menschen mit Sehschwäche jedoch ist dieser Trend problematisch. Geringere Kontraste bedeuten für sie größere Probleme beim Lesen. Denn es ist dann noch schwieriger, die Schrift zu entziffern.

Große IT-Konzerne empfehlen in ihren Richtlinien zwar ein Kontrastverhältnis von 7:1. Aber sie halten sich nicht daran. Bei Apple zum Beispiel ist die Richtlinie, die diese Frage thematisiert, nur im Kontrastverhältnis von 5,5:1 verfasst. Ähnliches bei Google. Auch dort ist die offizielle Empfehlung 7:1. Doch zugleich rät das Unternehmen Entwicklern, die Deckkraft der Buchstaben auf 54 Prozent zu senken - das macht dann ein Kontrastverhältnis von 4,6:1.

Ästhetik versus Barrierefreiheit

Welchen Effekt die geänderten Kontrastverhältnisse auf die Leser haben, ist unklar. Studien dazu gibt es nicht, auch weil das Online-Lesen ohnehin anders funktioniert als bei Printprodukten. Seiten werden eher überflogen und quasi gescannt als richtig gelesen. Wichtig für die Online-Lektüre sind deshalb auch sogenannte Ankerpunkte, wie zum Beispiel Fotos, Zwischenüberschriften, Aufzählungen und so weiter. Was ein verminderter Kontrast hier bewirkt, ist schwer zu sagen.

Sicher ist, dass geringe Kontrastverhältnisse für Menschen mit Sehschwäche ein Problem sind. Und eigentlich geht es doch um mehr Barrierefreiheit - auch im Netz.