Das Bundesland heißt korrekt Freie Hansestadt Bremen und besteht aus Bremen und Bremerhaven. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist in Bremen extrem hoch. Trotzdem sagen Menschen, die dort leben, dass es sehr lebenswert ist. Unsere Korrespondentin Felicitas Boeselager hat nach den gängigen Klischees gefragt.

Laut Statista lag die Pro-Kopf-Verschuldung in Bremen im Juni 2018 bei 32.003 € und damit am höchsten im Ländervergleich. Und das, obwohl die Wirtschaft in Bremen eigentlich gar nicht so schlecht läuft. Zum Beispiel hat der Stadtstaat einen der größten Container-Häfen Europas und ist Standort für Luft- und Raumfahrttechnologie.

Pendler als wirtschaftliches Problem

Das Problem: Viele Arbeitnehmer pendeln aus dem Umland in die Städte. Heißt: Sie zahlen ihre Einkommensteuer in Delmenhorst, Cuxhaven oder sonst wo in der Gegend, aber nicht in Bremen. Trotzdem nutzen sie dort die öffentliche Infrastruktur, wie Krankenhäuser, Theater oder die Universität.

"Hier müssen mehr reiche Leute herziehen, dann geht es bald steil bergauf mit uns."
Antwort bei einer Umfrage nach den Klischees über Bremen

Die Bremer, mit denen unsere Reporterin gesprochen hat, mögen jedenfalls ihre Stadt und finden, dass das Bundesland unterschätzt werde. Ein bisschen provinziell sei es, aber sehr schön und lebenswert. Hanseatisch auf jeden Fall.

"Jeder Bremer fiebert immer mit, wenn Werder Bremen im Weserstadion spielt."
Antwort bei einer Umfrage nach den Klischees über Bremen

Der Arbeitsmarkt ist zwar nicht so richtig prall, und bei Pisa schneidet Bremen auch nicht so vorbildlich ab, aber dafür lieben die Bremer ihre Fußballmannschaft und die Bremer Stadtmusikanten. Das ist das Märchen vom Esel, vom Hund, von der Katze und vom Hahn - alles alte Tiere, die von ihren Besitzern vor die Tür gesetzt wurden, weil sie nicht mehr arbeiten konnten. Auf dem Weg nach Bremen tun sie sich zusammen und vertreiben unterwegs ein paar Räuber mit ihrem schaurigen Gesang. So finden sie schließlich ein Heim, in dem sie bleiben können. Moral von der Geschichte: Zusammen geht noch was – auch, wenn uns keiner mehr haben will.


Mehr Klischees:

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