Wir müssen erkennen, dass es in den USA eine mächtige Zahl von Menschen gibt, für die Trumps Positionen zumindest nicht unwählbar sind. Populistische, rassistische und frauenfeindliche Positionen. Was bedeutet das für Deutschland - und für die Bundestagswahl im kommenden Jahr?

Protestwahl gegen das Establishment? Hillary Clinton war unbeliebt? Die Leute waren schlecht informiert? Rechte Hassprediger im amerikanischen Radio? Viele verschiedene Gründe werden für den Sieg Trumps angeführt. Das Gefühl von Unsicherheit - das Gefühl, nicht am Wohlstand teilhaben zu können - führt viele unzufriedene Wähler zu den Populisten, sagt Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler an der Bundeswehr-Uni Hamburg. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie groß das Potenzial für Populisten in Deutschland ist.

"Die Politikwissenschaft hat sich lange gewundert, dass sich trotz des vorhandenen Wählerpotentials keine rechtspopulistische Partei etabliert hat. Heute haben wir mit der AfD einen umso stärkeren Akteur."
Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler an der Bundeswehr-Uni Hamburg

Man könne das ganz gut ablesen an den Wahlergebnissen der AfD. Sie ist die erfolgreichste rechtspopulistische Partei seit Gründung der Bundesrepublik.

Erfolg der AfD

Die AfD habe nicht nur das Potenzial, das ihr in den Wahlen zufällt, sondern sogar darüber hinaus im höher zweistelligen Bereich, schätzt Marcel Lewandowsky.

"Wir sehen, dass es auf Bundesebene zumindest eine Neigung in Richtung AfD gibt, die schätzungsweise über 20 Prozent gehen könnte."
Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler

Die Enttäuschung über das politische Establishment sei ein guter Anknüpfungspunkt, um die Wähler zu mobilisieren. Das habe die Wahl von Donald Trump gezeigt. Ebenso sei es bei allen rechtspopulistischen Parteien in Europa.

Schwäche der etablierten Parteien

Die politischen Parteien kranken unter anderem daran, dass sie gesellschaftlich mehr oder weniger entwurzelt sind, sagt Marcel Lewandowsky. Sie hätten kaum noch Vorfeldorganisationen, mühten sich ab, vor Ort aktiv zu sein und bekämen teilweise kaum noch Kandidaten für kommunale Ämter aufgestellt.

"Die Parteien stehen vor der Schwierigkeit, dass sie ja selbst das Establishment sind, das angegriffen wird."
Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler

Eine Möglichkeit sei, dass die Parteien ihre Organisationsstruktur neu gestalten, so Marcel Lewandowsky. Eine kurzfristige Strategie gebe es aber nicht. Natürlich sollten die etablierten Parteien versuchen, rechtspopulistische Parteien mit deren Widersprüchen zu konfrontieren. Allerdings habe sich bei Donald Trump gezeigt, dass das gar nicht entscheidend ist.

"Deutschland ist nicht die USA. Aber man muss schon damit rechnen, dass die AfD relativ hohen Zulauf bekommt."
Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler