Wir erleben Geschichten ganz neu, nehmen sie anscheinend mit allen Sinnen wahr, weil VR-Brillen uns in besondere Räume versetzen, wir akustisch auf die Reise geschickt werden oder mit virtuellen Körpern in diesen Räumen Action erleben. Verändern wir uns durch die virtuellen Realitäten?

Ob und wie sich unsere Sinnesempfindungen im Internet verändern oder erweitern lassen, war Thema im Digitalen Salon am 30. November 2016. Wie kann das Riechen, Schmecken und Tasten durch Virtual Reality erweitert werden? Die Diskussion darüber, was durch die virtuelle Realität möglich wird und wie unterschiedlich die reale Welt wahrgenommen wird, nimmt die meiste Zeit ein.

Drei Forscher, die im Digitalen Salon diskutieren, beschäftigen sich aus unterschiedlichen Disziplinen heraus mit den Schichten der Realität.

Julian Adenauer hat Mechatronik studiert, ist dann aber ins Ungewisse abgebogen, Richtung Kunst. Er bastelt an der Stelle, an der sich Kunst, Design und Technologie berühren. Julian hat das Retune Festival gegründet, auf dem genau solche Projekte entstehen und gezeigt werden.

"Mit so einem neuen Medium muss man erst mal umgehen lernen. Und man muss erst mal herausfinden: Was genau sind die Möglichkeiten? Wie erzählt man eine Geschichte, wie funktioniert das überhaupt?"
Julian Adenauer, Retune Festival Berlin

Michael Gaebler ist Neurowissenschaftler unter anderem am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Er untersucht, wo und wie es Wechselwirkungen gibt zwischen Psyche, Gehirn und Körper. Dabei geht es auch um die Sinne, um subjektives und gefühlsmäßiges Erleben. Er hat sich zum Beispiel mit der Frage beschäftigt, wann gesunde oder kranke Menschen ihre Umgebung als real oder irreal empfinden.

"Wie lassen sich subjektive Phänomene objektiv messen?"
Michael Gaebler, Neurowissenschaftler, Max-Planck-Institut Leipzig

Johanna Lange ist Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Berlin im Bereich Medienwissenschaft. Sie arbeitet in ihrer Dissertation zum Thema "Augmented und Virtual Reality". Auch sie tüftelte an solchen Fragen aus medienwissenschaftlicher Perspektive. Ein Dreh- und Angelpunkt ihrer Überlegungen ist das, was Forscher mit Immersion beschreiben.

"Es gibt ja immer diese Angst, gerade wenn von Virtual Reality die Rede ist, dass irgendwann alles so realitätsnah dargestellt wird, dass wir Realität und Virtualität nicht mehr unterscheiden können."
Johanna Lange, Medienwissenschaftlerin, Technische Universität Berlin

Der Digitale Salon ist eine Gemeinschaftsproduktion des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft und von DRadio Wissen.