Die Schweden zahlen fast nur noch mit Plastik, manche Läden akzeptieren schon gar kein Bargeld mehr. In Deutschland ist Bargeld aber immer noch Zahlungsmittel Nummer eins.

Unser Beitrag über die schwedischen Pläne, das Bargeld abzuschaffen, hat auf unseren Facebook-Seiten für große Diskussionen gesorgt. Viele befürchten scheinbar, dass Bargeld auch in Deutschland langfristig abgeschafft wird und machen sich Gedanken um den Datenschutz.

"Nur etwa jeder dritte Deutsche hat überhaupt eine Kreditkarte."
Martina Schulte, DRadio Wissen Netzreporterin

Laut Bundesbank werden bei uns immer noch mehr als die Hälfte, also 53 Prozent, der Umsätze an der Ladenkasse bar abgewickelt. Plastik wird vor allem bei größeren Anschaffungen genutzt, kleinere Beträge beim Kauf von Lebensmitteln oder Drogerie-Artikeln gehen dagegen bar über die Theke. Und die meisten Deutschen sind auch dafür, dass das so bleibt.

Drei von vier Deutschen wollen weiter bar bezahlen können

Es gibt eine Umfrage des Marktforschungs-Instituts yougov. Demnach sagen knapp drei Viertel der Befragten, dass sie es ablehnen, wenn in Deutschland der sogenannte Annahmezwang für Bargeld wegfallen würde - wenn also, wie das in Schweden seit neuestem möglich ist, Geschäfte darauf bestehen können, dass du mit der Karte zahlen musst.

Kein Vertrauen in den Datenschutz

Es gibt eine Bitkom-Umfrage zum Thema: 55 Prozent der Kunden, die lieber mit Bargeld zahlen, geben dafür Sicherheitsgründe an. Um bargeldlos zu zahlen, braucht man ein gewisses Grundvertrauen.

  • dass deine Daten sicher übertragen werden
  • dass niemand dein Konto hackt
  • dass die Informationen über das, was man kauft, nicht in falsche Hände gelangen

Und dieses Grundvertrauen ist scheinbar bei vielen nicht vorhanden. Kürzlich wetterte noch Hans-Magnus Enzensberger in der "FAZ": Plastikkarten seien nicht nur billiger herzustellen als Geld, sie seien "unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zurückzuverfolgen". Er rät dazu, die Karten zu meiden und die Handys wegzuschmeißen.

"Wenn du nicht mehr bar bezahlst, dann wird jeder deiner Transaktion vom Gin Tonic im Club bis zum Einkauf der Brötchen beim Bäcker erfasst."
Martina Schulte

Darüber würde sich die Polizei sicher freuen - weil sie einfacher Kriminelle verfolgen kann. Aber für uns, die normalen Verbraucher, geht da ein Stück Anonymität verloren. Beispiel: Die neuen NFC-Chips, mit denen Apple seine neuen iPhones und seine Armbanduhren ausrüstet und mit denen man heute quasi im Vorbeigehen bezahlen kann.

NFC-Chips mit Gedächtnis

Auch bei Edeka kann man schon heute mit NFC-Technik bezahlen. Bei Rewe geht es mit App und QR-Code. Der Datenschutz-Verein Digital Courage warnt davor, dass man mit NFC-Chips nicht nur genaue Bewegungsprofile erstellen kann. Es können auch Profile von deinem Einkaufsverhalten gebildet werden - so wie das heute zum Teil bereits beim Online-Einkauf möglich ist.

In Sicht: Das Ende des Bargelds

Wer hat denn noch Interesse am Bargeld? Unsere Facebook-Diskussion hat gezeigt: Einige. Die Banken hingegen dürften eher wenig dagegen haben, es abzuschaffen. Denn als Kontoinhaber und Kreditkartennutzer müssen wir alle Gebühren zahlen und die Banken verdienen an Überziehungszinsen und Krediten. Auch die Finanzminister würden Bargeld lieber heute als morgen abschaffen, denn dann könnten wir die Scheinchen nicht mehr für den Notfall unter der Matratze horten, sondern würden mehr konsumieren und damit die Wirtschaft ankurbeln.

"Eine Studie beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten der Bargeldversorgung in Deutschland auf jährlich über acht Milliarden Euro."
Martina Schulte

Aber auch die Verbraucher selbst arbeiten an der Abschaffung des Bargelds. Vor allem die jungen stehen auf Mobile Payment: 43 Prozent der 14- bis 29-jährigen sagen, sie würden, wenn sie könnten, nur noch per Smartphone bezahlen.