Wie es China gelungen ist, innerhalb weniger Jahre vom digitalen Entwicklungsland zur weltgrößten Online-Nation aufzusteigen.

Baidu, Alibaba und Tencent - das sind die größten Internetkonzerne in China. Sie haben den Markt untereinander aufgeteilt. Man nennt die drei großen Konzerne zusammen auch "BAT".

Die Tech- und Internetkonzerne Chinas sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Sie haben großen Einfluss auf die chinesische Gesellschaft und versuchen, auch hier in Europa Fuß zu fassen.

Journalist Stephan Scheuer, der in China studiert und für die Deutsche Presseagentur berichtet, beschreibt in seinem Buch "Der Masterplan. Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft", wie sich die Regierung das technische Know-How zu Nutze macht - und wie China in Sachen IT und Technik zur Weltmacht aufgestiegen ist.

Sebastian Sonntag und Stephan Scheuer
© Deutschlandfunk Nova
Sebastian Sonntag mit Stephan Scheuer im Studio

Chefsache Mobilfunk

Dass China im digitalen Bereich so rasant aufholen konnte, hat "ganz viel mit einer cleveren Politik der chinesischen Führung zu tun", sagt Stephan Scheuer. Denn die Führung hätte früh erkannt, dass das Internet eine Basis für einen ganz eigenen Wirtschaftszweig sein kann.

Der Mobilfunk wurde dazu ambitioniert ausgebaut, berichtet Stephan Scheuer - mit einer höheren Dichte an Mobilfunkmasten als in Deutschland. "Deshalb habe ich auch in den entlegensten Regionen von China schnelles Internet."

"Ich war in Tibet unterwegs, auf 5000 Metern Höhe, und hatte da perfekten LTE-Empfang. Als ich mit dem Zug heute zu euch gefahren bin, hatte ich zwischendurch ein Funkloch."
Stephan Scheuer, Journalist und Autor

Die BAT-Konzerne konnten auch deshalb so schnell groß werden, sagt Stephan Scheuer, weil die chinesische Regierung mit von ihren Entwicklungen profitiert - unter anderem, weil die erhobenen Daten zur perfekten Überwachung genutzt werden können. Generell kann in China nur der Geschäfte machen, der sich mit der Regierung arrangiert und Zugeständnisse macht.

"Wenn ich mich mit der chinesischen Regierung anlege, kann ich keine Geschäfte machen."
Stephan Scheuer, Journalist und Autor

Doch was den Konzernen in China nutzt, kann ihnen unter Umständen im Ausland schaden, meint Stephan Scheuer. Denn wer wolle seine Daten schon gern Unternehmen anvertrauen, bei denen es im Prinzip keinen Datenschutz gibt? Schließlich "müssen die Firmen immer ultimativ den chinesischen Sicherheitssystemen den Zugang einräumen", sagt Stephan Scheuer.

Überwachung - und wem sie nutzt

In China selbst scheint die Mehrzahl der Menschen derzeit weniger Sorge vor Datenmissbrauch oder Überwachung zu haben, so die Einschätzung von Stephan Scheuer. Techniken wie beispielsweise die Gesichtserkennung werden bereits eingesetzt. So lange sie ein praktisches Ziel verfolgen, würden sie positiv aufgenommen - auch wenn ein Missbrauch möglich ist.

"Es ist völlig klar, dass diese Techniken auch der Überwachung dienen werden, aber das erste Argument, was jetzt auch ganz stark von der Regierung gebracht wird, ist ein Effizienz-Argument."
Stephan Scheuer, Journalist und Autor

Wie weit die chinesische Regierung in ihren Überwachungsplänen geht - und welche Pilotprojekte derzeit bereits laufen, auch darüber spricht Stephan Scheuer mit uns im Gespräch.

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