Diversität am Arbeitsplatz – viele denken dabei wahrscheinlich an ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis oder an Teams mit Menschen unterschiedlicher Herkunft. Worüber wir seltener reden ist: Diversität in Bezug auf das Alter. Dabei kann dieser Faktor eine große Rolle spielen. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs hat recherchiert, wie es damit aussieht.

Je nach Unternehmen können Altersunterschiede unter Kollegen ganz schön groß sein. Paavo ist zum Beispiel 20 Jahre alt und macht gerade seine Ausbildung in einer Druckerei. Er ist jedoch einer von ganz wenigen jungen Menschen im Team. 80 Prozent der Kollegen gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente.

"Wenn ich Fragen habe, dann erklären sie schon was, aber es wird jetzt nicht die ganze Zeit Wissen übermittelt."
Paavo, 20-jähriger Azubi

Und das wirkt sich auch auf die Atmosphäre in der Druckerei aus: "Viele haben nicht so Bock und sagen das auch ganz offen mir gegenüber, das ist natürlich nicht so motivierend", sagt er. Wenn er Fragen hat, antworten ihm die erfahrenen Kollegen schon, aber manchmal muss er seinen älteren Kollegen ihr Wissen ziemlich aus der Nase ziehen.

Erfolgreiche Teams durch gemischte Altersstruktur

Teams arbeiten am erfolgreichsten, wenn alle Altersgruppen vertreten sind, sagt die Wirtschaftspsychologin Greta Ontrup. Sie hat sich in einem Forschungsprojekt an der Ruhr-Uni Bochum mit altersgemischten Teams beschäftigt. Ganz wichtig sei dabei, dass man als Chefin oder Chef das Thema Alter nicht überstrapaziert. Wenn in Bezug auf Fortbildungen immer die Jüngeren randürfen und bei wichtigen Entscheidungen ausschließlich die älteren Kollegen gefragt werden, dann werde das Thema "Alter" einseitig bemüht und könne dazu führen, dass sich Mitarbeiterinnen ungerecht behandelt fühlen.

"Was eben schnell passiert: Ich frage immer die Alten, wenn es um Entscheidungen geht und wenn es um Fortbildung geht, bevorzuge ich die Jüngeren."
Greta Ontrup, Wirtschaftspsychologin

Besser sei es, das Thema "Alter" nicht ständig zu thematisieren. Und stattdessen die Aufgaben in den Mittelpunkt stellen und die Fähigkeiten der Einzelnen, sagt die Wirtschaftspsychologin. Greta Ontrup erlebt das am eigenen Beispiel: Sie ist 26 und arbeitet an der Ruhr-Uni mit einigen älteren Kollegen zusammen. Sie sagt, sie profitiert von deren Wissen.

"Ich profitiere am meisten von diesem impliziten Wissen, wie funktioniert Wissenschaft, alles was man im Studium nicht lernt, wo man sich so reinfuchst."
Greta Ontrup, Wirtschaftspsychologin

Susen arbeitet auf einer Intensivstation und hat schon viele Jahre Berufserfahrung. Sie gehört zu den Mittelalten. Gerade in Stress- und Notfallsituationen seien ältere Mitarbeiter in ihrem Bereich ruhiger.

"Wenn wir zum Beispiel eine Reanimationssituation haben, dann sind die Alten echt gelassen, die haben das schon 1000 mal gemacht, die strahlen eine Ruhe aus, wo man bei den Jungen merkt: die sind aufgeregt, hektisch."
Susen arbeitet auf einer Intensivstation

Susen sagt auch, dass die Jungen, die frisch aus der Ausbildung kommen, zwar viel theoretisches Wissen mitbringen, aber mit der Praxis oft völlig überfordert sind. Dann hilft der Erfahrungsschatz von denen, die länger im Geschäft sind.

Neben der gängigen Vorstellung, das Junge viel frischen Wind in ein Unternehmen mitbringen, können sie auch indirekt das Selbstbewusstsein der Älteren stärken. Ihre schiere Anwesenheit mache die länger arbeitenden Kollegen zu einem alten Hasen, der Einiges draufhat

"Wenn ich merke, neben mir ist jemand aufgeregt oder unerfahren, und auf mir liegt die Verantwortung, dann werde ich ruhiger und man hat dann so ein leichtes Überlegenheitsgefühl."
Susen arbeitet auf einer Intensivstation