Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) empfiehlt deutschen Athletinnen und Athleten, keine privaten Smartphones bei den Olympischen Spielen 2022 in China zu nutzen und stattet sie mit Wegwerf-Handys aus. Ein möglicher Grund ist die Sorge vor Spionage durch eine App, allerdings hat der DOSB seine Empfehlung nicht öffentlich begründet.

Mit strengen Lockdowns von Millionenstädten verfolgt die Volksrepublik China eine Zero-Covid-Strategie vor Beginn der XXIV. Olympischen Winterspielen in Beijing. Der Wettbewerb findet im Zeitraum vom 04.02. - 20.02.2022 statt. Inwiefern die Spiele als geschlossene Blase stattfinden, lest ihr hier.

App zur Kontrolle von möglichen Corona-Ausbrüchen

Das Land fordert von allen teilnehmenden Delegationen, dass sie auf ihren Smartphones die "My 2022“-App installieren. Die offizielle Begründung: Die App soll als Tool dienen, mögliche Corona-Ausbrüche während der Spiele besser kontrollieren zu können. Die App dokumentiert PCR-Tests, die vor der Anreise zu den XXIV. Olympischen Winterspielen erfolgen, und auch die obligatorischen Temperaturmessungen während der Spiele.

Niederländisches Olympische Komitee hat vor Spionage gewarnt

Dass der Deutsche Olympische Sportbunde nur Wegwerf-Handys empfiehlt, und auch die Sportler*innen damit ausstattet, wird öffentlich nicht begründet. Wegwerf-Handys sind Mobiltelefone, die eine hohe Anonymisierung garantieren, meist preisgünstiger sind und oft nur zur einmaligen Nutzung gedacht sind.

Niederlande: Keine privaten Handys oder Laptops

Das niederländische olympische Komitee findet hingegen deutliche Worte und warnt vor Spionage durch den chinesischen Staat. Neben der Nutzung von privaten Handys rät das niederländische Komitee auch davon ab, private Laptops mit nach China zu nehmen.

Auch das Olympische Komitee in Großbritannien hat eine ähnliche Empfehlung ausgesprochen. Bei den Niederländern ist unterdessen auch bekannt geworden, dass die Handys, die extra für die Spiele angeschafft wurden, nach der Rückkehr aus China vernichtet werden. Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sollen ihre eigens für Beijing angeschafften Handys allerdings behalten dürfen.

Es könne allerdings nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die Smartphone-App tatsächlich Kontakt- oder Standortdaten der olympischen Teams abgreife, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

"Die deutsche Olympia-Mannschaft äußerst sich zwar nicht dazu, warum genau keine Privathandys benutzt werden sollen, aber dafür sind andere Sportverbände auskunftsfreudiger."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Nicht nur Sportlerinnen und Sportler seien besorgt, sondern beispielsweise auch Journalisten, sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Schon Ende des vergangenen Jahres hat die Organisation "Reporter ohne Grenzen" die ausländische Presse in Beijing zur Wachsamkeit aufgerufen und einen umfangreichen Empfehlungskatalog veröffentlicht.

Demnach sollten Reporterinnen und Reporter keine Apps herunterladen, die den Behörden in China zur Überwachung dienen könnten. "Weisen Sie jede Aufforderung zu Zensur und Überwachung zurück", heißt es unter anderem in diesem Aufruf.

Chinesische Regierung an reibungslosen Wettkämpfen interessiert

Eine wichtige Motivation für das Sammeln der Daten via Olympia-App sei sicherlich, dass die chinesische Führung an reibungslosen Wettkämpfen interessiert ist, sagt Andreas Noll. Er fügt hinzu, dass man an den vielen Lockdowns in mehreren chinesischen Millionenstädten sehe, wie massiv die Behörden gegen jegliche Infektionsketten kämpften. Das sei eine ganz andere Strategie als im Westen, sagt unser Reporter.

Mögliche Hintertüren in Soft- und Hardware

Wenn solche Apps erst einmal auf einem Smartphone installiert sind, könnten sie möglicherweise auch weitere Begehrlichkeiten wecken, vermutet Andreas Noll. Ein Hinweis darauf biete der jahrelange Streit um chinesische Infrastruktur für das neue 5G-Handy-Netz in Europa oder die von einem chinesischen Konzern entwickelte TikTok-App.

Im Westen sehen Geheimdienste die Gefahr, dass China Hintertüren in Soft- und Hardware einbauen und sie zur Überwachung nutzen könnte. Den schlagenden Beweis gebe es bislang noch nicht, aber andererseits auch wenig Anhaltspunkte dafür, dass China davor zurückschrecke, so Andreas Noll.

Im eigenen Land habe die Kommunistische Partei ein umfangreiches Überwachungssystem über Apps etabliert und auch damit begonnen, ausländische Journalist*innen zu überwachen.